Gebremster Boom: Sozialwohnungsbau zieht stark an

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Katalonien

Gebremster Boom: Sozialwohnungsbau zieht stark an

von Clara Weber

Der spanische Wohnungsmarkt zeigt ein zweigeteiltes Bild: Während der Bau von geförderten Wohnungen, sogenannten VPO, einen kräftigen Aufschwung nimmt, hinkt die Fertigstellung von frei finanzierten Immobilien weiterhin hinterher. Die aktuellsten Zahlen des Ministeriums für Wohnungsbau für das erste Quartal 2026 verdeutlichen diesen Trend.

Sozialer Wohnungsbau legt deutlich zu

Die dynamischste Entwicklung ist im Bereich der geförderten Wohnungen zu verzeichnen. Wie das Ministerium für Wohnungsbau berichtet, wurden zwischen Januar und März 5.215 solcher Wohneinheiten endgültig fertiggestellt – ein Anstieg von satten 74,9% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit erreicht diese Zahl den höchsten Stand für ein erstes Quartal seit 2012. Auch die Zahl der neu begonnenen Projekte stieg um 12,4% auf 4.048 Einheiten.

Die Regierung führt diese positive Entwicklung auf verstärkte Investitionsanstrengungen zurück und verweist auf den neuen Staatlichen Wohnungsbauplan, der mit insgesamt sieben Milliarden Euro ausgestattet ist. Mindestens 40% dieser Summe sollen in den Bau dauerhaft preisgebundenen Wohnraums fließen.

Regionale Unterschiede sind enorm

Der Schub im sozialen Wohnungsbau verlief jedoch alles andere als einheitlich. Mit Abstand die meisten fertiggestellten geförderten Wohnungen (3.073) entstanden in Katalonien, das damit für 59% des Gesamtvolumens verantwortlich zeichnete. Auf Platz zwei folgte die Region Madrid mit 1.127 Einheiten (22%). Andalusien (410), das Baskenland (154), Galicien (131) und Navarra (117) lagen deutlich dahinter. Sechs autonome Gemeinschaften beendeten im gesamten Quartal keine einzige geförderte Wohnung.

Bei den neu begonnenen Projekten sah die Rangfolge anders aus: Hier führte die Region Madrid (1.242), gefolgt von Andalusien (755) und der Valencianischen Gemeinschaft (529). Die Verteilung nach Förderart zeigt: Bei den fertiggestellten Wohnungen überwog mit 2.149 Einheiten klar der reine Mietwohnungsbau. Bei den neu gestarteten Projekten dominierte dagegen das Eigentumsmodell.

Freifinanzierter Bau wächst, Fertigstellungen stagnieren

Im Segment des frei finanzierten Wohnungsbaus wurden im ersten Quartal 35.148 neue Projekte begonnen – die höchste Zahl für ein erstes Quartal seit 18 Jahren. Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr betrug 12,7%. Die Hotspots dieser Bautätigkeit lagen in Andalusien (8.391), der Valencianischen Gemeinschaft (4.593), Katalonien (3.906) und Madrid (3.701).

Trotz dieses Zuwachses liegen die Zahlen noch weit unter den Werten aus der Zeit der Immobilienblase vor 2008. Damals wurden im gleichen Zeitraum über 82.800 Wohnungen begonnen. Eine größere Herausforderung stellt aktuell die Lücke zwischen Baubeginn und Fertigstellung dar. Die Zahl der vollendeten frei finanzierten Immobilien bewegt sich seit sieben Jahren auf einem Plateau zwischen 18.000 und 20.000 Einheiten pro Quartal. Im ersten Quartal 2026 wurden 20.265 Wohnungen fertiggestellt, was einem leichten Anstieg von 8,7% entspricht, aber keine Trendwende signalisiert.

Experten wie die der Banco de España sehen in der anhaltenden Diskrepanz zwischen Angebot und Nachhaltigkeit eine zentrale Ursache für die hohen Wohnkosten. Demnach fehlen landesweit mehr als 700.000 Wohnungen, um den Bedarf zu decken. Der aktuelle Bau-Boom, insbesondere im geförderten Segment, ist somit ein wichtiger, aber noch unzureichender Schritt zur Entspannung des Marktes.


Quelle: 20minutos.es

Mehr aus Katalonien & Madrid & Andalusien