Familienunternehmen fordern politische Deeskalation und staatliche Unterstützung

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Valencia

Familienunternehmen fordern politische Deeskalation und staatliche Unterstützung

von Jonas Beck

Die politische Polarisierung schade der Wirtschaft und dem gesellschaftlichen Wohlstand. Diese klare Diagnose stellt Emi Boix, Präsidentin des Instituto Valenciano para el Estudio de la Empresa Familiar (IVEFA), im Vorfeld der IVEFA-Jahreshauptversammlung am 10. Juni in der Fundación Bancaja. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Europa Press konkretisierte sie die zentralen Forderungen des Verbandes an die valencianische und die nationale Politik.

Zentrale Forderung: Rückkehr zur “sozialen Ruhe”

Boix appelliert eindringlich an die politischen Akteure, die “Überspitzung” aus dem öffentlichen Diskurs zu nehmen. “Die Polarisierung, zu der uns die politische Klasse führt, hilft weder der Wirtschaft noch dem Wohlstand unserer Gesellschaft”, so ihre Analyse. Sie fordert eine Rückkehr zur “sozialen Ruhe”, um stabilere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu schaffen.

Konkrete Vorschläge für die Generationsübergabe

Ein Kernproblem vieler Familienunternehmen ist die Nachfolgeregelung. Das IVEFA schlägt der Regionalregierung (Consell) die Einführung eines “Relevo-Schecks” vor. Diese direkte finanzielle Hilfe soll Unternehmen den Zugang zu professioneller Beratung für die Erstellung eines Familienprotokolls erleichtern – eines zentralen Instruments zur Regelung der Unternehmensnachfolge und Sicherung der Kontinuität. “Viele Familienunternehmen haben bislang kein solches Protokoll. Die Kosten für die Erstellung mit Hilfe spezialisierter Berater sind für sie oft eine Hürde”, erläutert Boix den Ansatz. Der Scheck solle diese Hürde abbauen.

Steuerliche Entlastungen als Daueraufgabe

Neben dieser direkten Unterstützung drängt das IVEFA auf weitere steuerliche Verbesserungen. Boix begrüßt zwar die jüngst beschlossene Ausweitung der Befreiung bei der Erbschaft- und Schenkungssteuer für Familienunternehmen bis zum vierten Verwandtschaftsgrad (z.B. Neffen, Geschwister), betont jedoch, dass man die genauen Ausführungsbestimmungen noch abwarte. Als weitere Prioritäten für den anstehenden Haushalt 2026 der Generalitat Valenciana nennt sie:

  • Eine fortgesetzte Verbesserung der Erbschaft- und Schenkungssteuer.
  • Eine Reform der Vermögenssteuer, die mehr Spielraum lasse.
  • Einen ausreichenden Schutz für familiäre Holding-Strukturen.
  • Die Vermeidung steuerlicher Regelungen, die die betriebliche Liquidität – die “Notreserve” für schwierige Zeiten – übermäßig belasten.

Auf nationaler Ebene, so Boix, müsse die Politik ebenfalls darauf achten, dass die steuerliche Belastung nicht zur “Hürde für diese Kontinuität” werde. Investitionen sollten nicht nur neue Unternehmen anlocken, sondern auch bestehende Betriebe am Leben erhalten.

Resilienz und langfristiges Denken als Stärken

Trotz der Belastungen durch geopolitische Unsicherheiten und gestiegene Kosten sieht Boix die Familienunternehmen gut aufgestellt. “Das Familienunternehmen zeichnet sich durch Resilienz und eine besondere Verbundenheit mit seinem Standort und den Arbeitsplätzen aus, selbst in den schwierigsten Momenten”, stellt sie fest. Diese Werte schlagen sich laut IVEFA-Studien in konkretem Handeln nieder: In wirtschaftlich schwierigen Konjunkturen vernichteten Familienunternehmen bis zu 10 Prozent weniger Arbeitsplätze als andere Unternehmenstypen. Boix ruft angesichts der aktuellen Spannungen dennoch zur Besonnenheit auf. “Unser Vermächtnis geht über kurzfristiges Denken hinaus”, argumentiert sie. “Langfristig zu denken bedeutet, an die zukünftigen Generationen zu denken – und das ist eine der Stärken von Familienunternehmen.”

Herausforderung Größe und Digitalisierung

Ein strukturelles Problem bleibt die oft geringe Größe der Betriebe. Etwa 90 Prozent der valencianischen Familienunternehmen beschäftigen weniger als zehn Mitarbeiter, müssen aber auf einem globalen Markt bestehen. Prozesse wie die Digitalisierung seien für kleine Organisationen eine besondere Herausforderung, räumt Boix ein. Dennoch arbeite man an einer professionelleren Organisation und Nachhaltigkeit, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Nachfolgegeneration bringe dabei wichtige neue Impulse: “Ihre Professionalisierung und ihr Wunsch, international aktiv zu werden, sind sehr wichtig, um den Übergang gut vorbereitet zu meistern.” Das IVEFA biete daher spezielle Programme zur Ausbildung junger Familienmitglieder für Führungs- oder Anteilseignerrollen an.

Als Fazit sieht Boix eine grundsätzliche Bereitschaft der Politik zum Dialog. “Es gibt einen Willen zum Zuhören”, lautet ihre Einschätzung zur Haltung des Consell. Die vorgeschlagenen Maßnahmen zielen darauf ab, diesen Dialog in konkrete, unternehmenssichernde Politik zu übersetzen.

Quelle: Interview mit Emi Boix, Europa Press.


Quelle: europapress.es

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