Ex-Ministerin fordert Ende der "prädestinierten" Vorermittlung

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Valencia

Ex-Ministerin fordert Ende der "prädestinierten" Vorermittlung

von Sabine Keller

Ein Jahr des Schweigens und neue Vorwürfe

Die juristische Front im hochpolitischen Untersuchungsprozess nach der DANA-Flutkatastrophe mit 230 Toten in der Provinz Valencia ist nicht nur verhärtet – sie eskaliert. Eduardo de Urbano, Anwalt der ehemaligen Regionalministerin für Justiz und Inneres, Salomé Pradas, hat nun den Generalrat der Justiz (CGPJ) direkt adressiert. In einem Schreiben, wie Europa Press berichtet, fordert er ein "definitives und urgentes" Vorantreiben der Beschwerden gegen die ermittelnde Richterin. Ein Jahr nach deren Einreichung, so der Kernvorwurf, ist nichts passiert. Dieses Schweigen des obersten Richtergremiums, argumentiert de Urbano, ist selbst bereits ein Teil des Problems.

Systematische Voreingenommenheit oder justizielle Sorgfalt?

Die Kritik der Verteidigung geht weit über Verfahrenslänge hinaus. Sie zeichnet das Bild einer Untersuchung, die nicht ermittelt, sondern verurteilt. De Urbano attestiert der Richterin eine "systematische Handlungslinie, die ausschließlich darauf abzielt, eine seit Beginn der Ermittlungsphase prädestinierte Schuldthese gegenüber Pradas zu bestätigen". Die fortlaufenden Beschlüsse seien von "extremer Härte" und enthalten "abschließende Wertungen und Mutmaßungen", die für eine Ermittlungsphase, die eigentlich Beweise sammeln soll, untypisch sind.

Konkret führt der Anwalt an, dass zahlreiche Beschlüsse "bewusst die Ergebnisse jener Ermittlungen omitieren, welche meine Mandantin eindeutig entlasten oder ihre Verantwortlichkeit mindern". Er sieht eine "Vulneration des Verteidigungsrechts" durch die wiederholte Ablehnung der Transkription von Clientenaussagen und einen "systematischen Block jeglicher anderer Ermittlungslinie" durch die Verweigerung crucialer, von der Verteidigung beantragten Maßnahmen.

Der Schatten im Raum: Vorwurf der richterlichen Injektion

Ein besonders schwerwiegender neuer Vorwurf wird detailliert aufgeführt: Die "aktivierte Intervention und Anwesenheit" des Ehemanns der Richterin – selbst ein Magistrat – im Ermittlungsraum. De Urbano beschreibt diese als "von extremer institutioneller Gravität". Sie bedeute eine "flagrantre Transgression des Rechts auf den gesetzlich vorherbestimmten Richter, des Geheimhaltungsgebots und des Prinzips der Fremdheit", das sowohl die Judicial Ethics als auch Artikel 417.12 des Justizorganisationsgesetzes (LOPJ) fordert.

Als "unabdingbare" Ermittlungsmaßnahme fordert die Verteidigung nun, dass ein Anwalt der anderen Privatanklage formal aufgefordert wird, "unmittelbar" die Audioaufnahmen zu liefern, "auf denen angeblich die Participation des genannten, der Causa fremden Magistrats in den Ermittlungen belegt wird". Gleichzeitig soll er deren Authentizität und das Fehlen von Manipulation belegen. Zudem sollen dieser Anwalt und seine Clients zur Aussage geladen werden, um die "materiale Realität der Intervention des fremden Judges in den judicialen Räumen" zu verifizieren.

Ein abgeschlossenes Kapitel und ein offenes Feld

Der Kontext ist komplex: Der Superior Tribunal der Valencianischen Community (TSJCV) hatte bereits im April eine Beschwerde dieses selben Anwalts – den Pradas' Verteidigung nun zu laden fordert – abgewiesen. Die Magistrats des TSJCV bestätigten eine frühere Entscheidung, die die Klage gegen die Richterin von Catarroja und ihren Ehemann wegen deren alleged Participation in Zeugenaussagen von Victims zurückwies. Alle Argumente – Vulneration des Rechts auf effektive judiciale Tutelage, Gesetzesinfraktion durch unangemessene Anwendung diverser Artikel des Penal Codes – wurden verworfen.

Das Tribunal argumentierte, dass, selbst wenn man "hypothetisch" die Integrität der beigebrachten Aufnahmen anerkenne, "in jedem Fall die Richterin selbst klar als die autorität, die den Akt dirigiert, auftritt". Die Participation ihres Partners wäre, falls vorhanden, "purely accessory, wie die, die cualquier anderer Funktionär present im Akt mit dem Ziel, Support zu geben, leisten könnte".

Die Frage der Legitimität

Die Verteidigung von Salomé Pradas stellt damit eine fundamentale Frage: Kann ein Ermittlungsprozess, der unter solchen Vorwürfen – systematische Voreingenommenheit, mögliche Einflussnahme durch Dritte, Verweigerung entlastender Beweise – stattfindet, noch als legitim gelten? De Urbano's Schreiben zum CGPJ ist weniger eine Beschwerde als eine Anklage gegen die Grundlagen des aktuellen Verfahrens. Er insistiert, dass constitutional guarantees "keine peripheren Elemente sind, sondern das strukturelle Component, das die Ermittlungshandlung legitimiert". Die aktuellen Conditions, so sein Fazit, bringen "devastierende und irreparable Schäden für die Reputation und die Rights" seiner Mandantin, weit entfernt von der Wahrheitsfindung.

Die Justizorgane stehen nun unter Druck zu beweisen, dass der Prozess nicht nur formal, sondern essentiell fair ist. Die Antwort des CGPJ wird zeigen, ob er sich als passiver Beobachter oder als aktiver Garant der Verfahrensreinheit versteht.


Quelle: europapress.es