
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Ein Minister verteidigt sich – und bleibt auf dem Standpunkt
Die Tragödie war nie vorhergesehen, sagt sie
Vor der Untersuchungskommission der Les Corts zur Sturzflutkatastrophe vom 29. Oktober 2024 verteidigte sich Susana Camarero, damals erste Vizepräsidentin und Ministerin für Soziales, Gleichstellung und Wohnen der Valencianischen Gemeinschaft. Ihre Position ist klar: Ihr Departement habe mit allen verfügbaren Mitteln und dem damals bekannten Wissen reagiert. Was sie jedoch anerkennen muss – und dies tut sie mit einem gewissen Pathos – ist, dass dieses Wissen nicht ausreichend war. „Wir hätten mehr helfen können, wenn wir die notwendige Information gehabt hätten“, gab sie zu Protokoll, wie Europa Press berichtet.
Diese Aussage ist der Kern ihrer Verteidigung: Handeln unter Ungewissheit. Camarero beschrieb einen Tag, der von frühmorgendlichen WhatsApp-Kontaktaufnahmen mit Sozialzentren bis zur Teilnahme an einer Veranstaltung der Valencianischen Unternehmerkonföderation (CEV) am späten Nachmittag geprägt war. Sie stellt ihre Agenda als „kompatibel“ mit der Aufmerksamkeit für die sich entwickelnde Krisensituation dar.
Gegen die „Bulos“ und die politische Instrumentalisierung
Ein wesentlicher Teil ihrer Aussage war der konfrontative Angriff auf sogenannte „Bulos“ – Falschinformationen, die nach der Katastrophe kursierten. Sie widersprach vehement der Darstellung, dass Nutzer der Teleassistenz „zum Knopf riefen und niemand am anderen Ende war“. Ebenso brandmarkte sie die Behauptung, sie habe „die Älteren in den Residenzen sterben lassen, um zu einer Preisverleihung zu gehen“, als manipulative Erzählung. Die Veranstaltung bei der CEV sei keine Gala, sondern ein Arbeitstermin, zu dessen Absage man sie sogar bat. „Ich war die ganze Zeit mit meinem Team verbunden, aufmerksam für das, was sie mir über die Emergency übermittelten“, betonte sie.
Diese rhetorische Strategie ist bemerkenswert: Camarero stellt sich nicht nur als kompetente Ministerin dar, sondern als eine, die gegen eine politisch motivierte, „18 Monate lang konstruierte“ Gegen-Erzählung kämpft. Sie verwies auf ein seit Sommer 2024 online verfügbares Protokoll für Regen-Alarm und konterte damit indirekt ihre politischen Vorgänger: „Eine Richtlinie, die der Botànic [die frühere linksgerichtete Regionalregierung] in acht Jahren nie hatte.“
Der Tsunami kam plötzlich – und die Helden waren die Arbeiter
Ein besonders tragischer Punkt der Untersuchung ist der Tod von sechs Personen in der Residenz von Paiporta. Camarero argumentierte hier technisch: Die verantwortliche Unternehmen habe das Protokoll gekannt, die Situation sei bis etwa 19:30 Uhr „normal“. Dann, wie sie es beschrieb, überrollte „ein Tsunami, eine schnelle und plötzliche Flut von Wasser und Schlamm die Tür“. Ihre Schlussfolgerung: Das Ereignis war unvorhersehbar und außerhalb des Rahmens normaler Prävention. Das heroische Element, das sie hervorhebt, sind die Mitarbeiter der Residenz, „die ihr Leben riskierten, um die 113 älteren Menschen, die überlebten, zu retten“. Damit lenkt sie den Fokus von möglicher Verwantwortung auf individuelle Courage im Moment der Katastrophe.
Auch ihre Nicht-Teilnahme an einer Sitzung des Koordinierungszentrums (Cecopi) rechtfertigte sie mit einer Hierarchie der Expertise: Sie sei kein Mitglied, die technische und operative Responsibility lag bei anderen. „Ich hätte mich nie erlaubt, in technische Emergency-Entscheidungen einzugreifen, die denen mit Erfahrung und Kompetenz zustehen.“
Ein Fazit, das Fragen aufwirft, statt sie zu lösen
Camareros Aussage vor der Kommission ist ein geschicktes Stück politischer Kommunikation. Sie stellt sich als proaktiv (Früh-Kontakte), regelkonform (Protokolle), aufmerksam (ständige Verbindung) und respektvoll gegenüber operativen Strukturen dar. Der beklagte Informationsmangel wird als systemische, nicht persönliche Grenze dargestellt.
Doch genau hier liegt die Schwäche ihrer Argumentation. Die Untersuchungskommission sucht nicht nach Heldengeschichten oder rhetorischen Abwehrmanövern gegen „Bulos“. Sie sucht nach Antworten auf die Frage, ob die verfügbaren Mittel und Informationen optimal genutzt wurden, ob Warnsysteme – wie die Teleassistenz, die Camarero als „assistenz, nicht Emergency-Service“ definiert – angemessen waren, und ob die Priorisierung der „institutionellen Agenda“ in einem sich anbahnenden Krisentag wirklich „kompatibel“ war.
Camarero sagt: Wir haben mit dem, was wir hatten, gehandelt. Die unausgesprochene Frage der Kommission bleibt: War das, was Sie hatten, genug – und wenn nicht, warum? Ihre Aussage bietet viele Rechtfertigungen, aber wenig neue, belastbare Antworten auf diese Kernfrage.