
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Ceutas schutzlose Minderjährige
Die Bilder von Kindern, die ohne Eltern die Grenze zwischen Marokko und Spanien überqueren, haben sich in Ceuta zu einem täglichen Anblick entwickelt. In den vergangenen Tagen sind mehr als 1.300 unbegleitete Minderjährige in der nordafrikanischen Enklave angekommen – eine Zahl, die alle bisherigen Aufnahmekapazitäten bei Weitem sprengt. Die Jungen und Mädchen, viele von ihnen jünger als zwölf Jahre, harren in provisorischen Unterkünften aus, häufig ohne ausreichende Versorgung mit Nahrung und Wasser.
Gewalt gegen die Schwächsten
Die Lage ist nicht nur von Überforderung geprägt, sondern auch von massiven Sicherheitsproblemen. Nach Informationen der spanischen Tageszeitung 20 Minutos wurden sechs Anzeigen wegen mutmaßlicher Übergriffe auf Minderjährige erstattet. In vier Fällen handelt es sich um Vergewaltigungen, die Opfer wurden medizinisch versorgt. Besonders Mädchen sind betroffen – sie gelten als die verletzlichste Gruppe in dieser Krise. Die Vorfälle zeigen, dass die Kinder nicht nur die Strapazen der Flucht erleiden mussten, sondern auch nach ihrer Ankunft auf spanischem Boden weiterhin Gewalt ausgesetzt sind.
Stadt am Limit – Landesregierung schaut zu
Ceuta verfügt regulär über weniger als 30 Plätze für die Unterbringung gefährdeter Minderjähriger. Diese Zahl hat sich durch die aktuelle Ankunftswelle um ein Vielfaches erhöht – die Einrichtungen sind hoffnungslos überlastet. Die Kommunalverwaltung appelliert seit Tagen an die Zentralregierung in Madrid, Unterstützung zu leisten. Doch von dort kommt wenig Konkretes. Andere autonome Gemeinschaften zeigen sich bislang nicht bereit, Kinder aus Ceuta zu übernehmen. In mehreren Regionen, in denen Regierungen von Stimmen der rechtspopulistischen Partei Vox abhängig sind, fehlt es offenbar an politischem Willen, humanitäre Verantwortung zu übernehmen.
Drohende Gefahr durch Menschenhandel
Je länger die Kinder sich selbst überlassen bleiben, desto größer wird die Gefahr, dass sie in die Hände von Schleppern und Menschenhändlern geraten. Die Minderjährigen sind ohne familiäre Anbindung, ohne rechtlichen Beistand und ohne Perspektive – ideale Bedingungen für kriminelle Netzwerke, die mit Ausbeutung ihr Geschäft machen. Hilfsorganisationen warnen seit Wochen vor einer Zunahme von Fällen, in denen unbegleitete Kinder zur Prostitution oder zur Zwangsarbeit gezwungen werden.
Ein Widerspruch, der keiner ist
Die Forderung nach einer geordneten Migrationspolitik darf nicht mit der Forderung nach dem Schutz von Kindern verwechselt werden. Beides ist vereinbar – wer eine kontrollierte Einwanderung will, muss gleichzeitig die Rechte von Minderjährigen garantieren, die bereits auf europäischem Boden sind. Andernfalls droht eine gesellschaftliche Katastrophe, die über die Grenzen Ceutas hinausreicht. Wenn eine allein reisende Zehnjährige auf spanischem Territorium erneut Opfer von Gewalt wird, dann ist das ein Versagen, das alle betrifft – nicht nur eine einzelne Stadt.
Quelle: 20minutos.es
Quelle: 20minutos.es