
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Ceuta: Ministerin weist Kollaps-Vorwürfe zurück
Buhrufe und Rücktrittsforderungen
Als Mónica García am Sonntag in Ceuta eintraf, erwarteten sie keine freundlichen Gesichter. Eine Gruppe von Sanitätern hatte sich vor der Regierungsdelegation versammelt und empfing die Gesundheitsministerin mit lauten Buhrufen und „Rücktritt“-Rufen. Eine Ärztin durchbrach sogar die Polizeiabsperrung, um direkt mit García zu sprechen: „Die Notfallmediziner wollen mit Ihnen reden“, rief sie. Die Stimmung in der spanischen Exklave ist aufgeheizt – und die Ministerin steht im Zentrum der Kritik.
Kein Kollaps, aber Spannungen
In der anschließenden Pressekonferenz verteidigte García ihre Position. „In Ceuta gibt es keinen gesundheitlichen Zusammenbruch“, betonte sie. Als Beleg führte sie an, dass das Universitätskrankenhaus nur zu 50 Prozent ausgelastet sei und keine Ärzte aus dem Urlaub zurückbeordert werden mussten – anders als beim Militär oder der Guardia Civil. Insgesamt seien in den vergangenen 15 Tagen rund 5.800 Migranten behandelt worden, verteilt auf Primärversorgung und Klinik. Die Zahl der täglichen Behandlungen sei von anfänglich über 1.100 auf durchschnittlich 300 gesunken.
Dennoch gab García zu, dass einige Krankenhausbereiche und vor allem die Primärversorgung „unter Spannung“ stünden. Sie verwies auf die kurzfristige Einstellung von 60 zusätzlichen Fachkräften als Sofortmaßnahme. Die eigentliche Priorität liege jedoch darin, die Lebensbedingungen der mehr als 5.000 Migranten in der Stadt zu verbessern – mit Unterkünften, Wasser, Nahrung und angemessener Isolierung, um mögliche Krankheitsausbrüche zu verhindern.
Migranten bringen keine Krankheiten
Die Ministerin stellte klar: „Migranten bringen keine Krankheiten mit.“ Die größten Risiken seien die hygienischen Zustände, nicht die Menschen selbst. Gleichzeitig beruhigte sie die Bevölkerung: Durch getrennte Behandlungspfade bestehe keine Ansteckungsgefahr für die einheimischen Patienten. Die Lage sei auf Stufe 1 des Katastrophenschutzplans des INGESA eingestuft – also weit entfernt von einem Notstand.
PP fordert Konsequenzen
Ganz anders sieht das die Volkspartei. Der vicesekretär Elías Bendodo warf García vor, sie trage die Verantwortung für die „Gesundheitskrise“ in Ceuta und forderte ihren sofortigen Rücktritt. Er kritisierte, dass die Ministerin erst nach zwei Wochen in die Stadt gekommen sei, während Ärzte dort regelmäßig doppelte oder dreifache Schichten arbeiten müssten, um den Notdienst aufrechtzuerhalten. Die von der Regierung angekündigten Verstärkungen – Bendodo sprach von zwei Ärzten und zwei Krankenschwestern – seien eine „Beleidigung“ für das Personal.
Zudem warf er der Regierung vor, die Sorgen der Sanitäter als „Alarmismus“ abzutun. „Es ist die Ministerin, die die Konsequenzen tragen muss – nicht die Ärzte, die am Limit arbeiten“, so Bendodo. Auch Regierungschef Pedro Sánchez blieb nicht verschont: Er „liege weiter am Strand“ und gebe keine Erklärungen ab. Die Situation in Ceuta bleibt damit ein politischer Zankapfel – mitten in einer humanitären Herausforderung, die die Stadt seit Wochen beschäftigt. Wie die Zeitung 20 Minutos berichtet, ist der Konflikt noch nicht beigelegt.
Quelle: 20minutos.es