
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Ceuta: Krise nach Massenzustrom ungelöst
Widersprüchliche Zahlen und unklare Lage
Die Migrationskrise in der spanischen Enklave Ceuta ist fast zwei Wochen nach dem Massenzustrom vom 30. Juli weiterhin nicht gelöst. Während die Zentralregierung in Madrid betont, die meisten der eingereisten Personen seien bereits nach Marokko zurückgekehrt, zeichnen die Behörden vor Ort ein deutlich düstereres Bild. Nach Angaben des regionalen Exekutivs von Ceuta halten sich weiterhin schätzungsweise 8.000 bis 11.000 Migranten in der Stadt auf, die kaum versorgt werden können. Die Lage in den Straßen sei "absolut unzumutbar, unhaltbar und inakzeptabel", erklärte der Präsident der Autonomen Stadt, Juan José Vivas.
Die offiziellen Zahlen schwanken erheblich. Innenminister Fernando Grande-Marlaska hatte zunächst von 72.000 eingereisten Personen gesprochen, von denen 70.000 bereits ausgereist seien. Am Montag hingegen korrigierte der Minister für Territorialpolitik, Ángel Víctor Torres, die Zahl der illegal Grenzübertretenden auf 80.000. Diese Angabe nähert sich der Einschätzung der Ceutaer Behörden an, die von einer weitaus höheren verbliebenen Anzahl ausgehen.
Forderungen nach zentraler Koordination
Angesichts der prekären Situation fordert Präsident Vivas die Übernahme eines "Alleinbefehls" durch die Zentralregierung. Er verlangt einen staatlichen Plan sowie die Einrichtung eines temporären Internierungszentrums, um die Migranten zu versorgen und Abschiebeverfahren zu beschleunigen. Zudem seien zusätzliche personelle Ressourcen in den Bereichen Ausländerrecht, Justiz, Staatsanwaltschaft und Polizei notwendig. Auch die Präsenz der Sicherheitskräfte müsse "erheblich" verstärkt werden. Verschiedene Nachbarschaftsvereinigungen berichten, dass ganze Wohnviertel derzeit "unbewohnbar" seien.
Innenminister Marlaska hatte zuvor von einer sich normalisierenden Lage gesprochen. Sein Kabinettskollege Torres präzisierte diese Aussage jedoch: Die Normalität beziehe sich lediglich auf das Ende des äußeren Zustroms, nicht auf die Situation in den Straßen Ceutas. Dort gelte es, den Zustand vor Ende Juli wiederherzustellen.
Unbegleitete Minderjährige und Gesundheitsversorgung
Ein besonderes Problem stellen unbegleitete minderjährige Migranten dar. Torres bezifferte ihre Zahl am Montag auf 1.400 und räumte ein, dass sie weiter steigen werde. Viele Kinder und Jugendliche befänden sich in Polizeiwachen oder warteten auf ihre Registrierung. Der Minister vermied eine endgültige Zahl.
Auch das Gesundheitssystem der Stadt ist stark belastet. Vivas wies auf einen "konjunkturellen Anstieg der Bevölkerung um zehn Prozent" hin, der die Kapazitäten überfordere. Die kollektive Arztvereinigung Ceutas meldet einen Kollaps: In den Notaufnahmen müssten sieben Ärzte täglich 400 bis 500 Patienten versorgen. Der Vorsitzende Enrique Roviralta warnte vor möglichen Seuchenausbrüchen wie Cholera, Tuberkulose oder Masern. Gesundheitsministerin Mónica García bestritt hingegen eine Krise und verwies auf ausreichende Ressourcen. Sie bezifferte die täglichen Behandlungen von Migranten in der Primärversorgung auf durchschnittlich 350.
Neuer Ansturm wird befürchtet
Die Behörden bereiten sich indes auf einen möglichen weiteren Massenansturm vor. In sozialen Netzwerken kursiert eine Ankündigung für den 15. August. Die Sicherheitskräfte rechnen jedoch mit einer Verfrühung der Aktion. Die Verstärkung der Grenzschutzeinheiten wurde um 40 Prozent erhöht, die der Nationalpolizei um 30 Prozent. Zudem sind fast 300 Bereitschaftspolizisten, mehr als 200 Guardia-Civil-Beamte und 2.000 Soldaten im Einsatz. Ab dem 13. August wurden alle Urlaubsgenehmigungen für Militär- und Polizeikräfte in Ceuta ausgesetzt. Wie die Vereinigung ATME gegenüber der Nachrichtenagentur Efe erklärte, sei die Truppe auf eine längerfristige Belastung eingestellt.
Die Zentralregierung betont, die Lage unter Kontrolle zu haben. Die lokale Verwaltung und die Ärzteschaft zeichnen jedoch ein anderes Bild – eines von Überforderung, Unsicherheit und dringendem Handlungsbedarf. Bis zur endgültigen Lösung der Krise bleiben die Ereignisse in Ceuta ein Gradmesser für die Migrationspolitik Spaniens. Die Geschehnisse werden von den internationalen Beobachtern aufmerksam verfolgt. Ob der erwartete neue Ansturm am 15. August tatsächlich stattfindet, bleibt abzuwarten. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren.
Quelle: 20minutos.es