Nach der Regularisierung beginnt die Arbeit

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Barcelona

Nach der Regularisierung beginnt die Arbeit

von Redaktion

Regularisierung ist nur der erste Schritt

Die Regularisierung von Migrantinnen und Migranten wird oft als Endpunkt eines Prozesses gesehen. Für Camil Ros, den Generalsekretär der UGT in Katalonien, markiert sie hingegen einen Startpunkt. “Der Prozess endet nicht, wenn man regularisiert wird, dort fängt er erst an”, betonte er während einer Veranstaltung des Fòrum Europa in Barcelona. Seiner Ansicht nach stellt der Zustrom neuer Arbeitskräfte eine Herausforderung für den sozialen Dialog dar, die nur durch gezielte Begleitung zu meistern ist.

Ros, der neben anderen Politikern wie Jordi Turull (Junts) und Ester Capella (ERC) sprach, sieht die Gefahr steigender Arbeitslosigkeit durch die Regularisierung als vorrangig technisches Problem. Die meisten Betroffenen arbeiteten bereits oder würden dringend benötigte Stellen besetzen, so seine Einschätzung.

Kampf gegen Rechts: “Eine demokratische Frage”

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Rede war der Umgang mit rechtsextremen Kräften. Ros forderte neue Bündnisse, die über traditionelle Lager hinausgehen. “Der Kampf gegen die extreme Rechte ist kein Thema der Linken, es ist eine demokratische Frage”, erklärte er. Er rief die Linke dazu auf, ihre eigene Arbeit mehr wertzuschätzen und breite Allianzen mit liberalen und gemäßigt rechten Kräften zu schmieden, um das demokratische System zu stärken.

Seine Kritik an rechtspopulistischen Parteien ist deutlich: “Es gibt keinen Ort, an dem es den Menschen besser geht, wenn die extreme Rechte oder eine von ihr gestützte Rechte regiert.” Diese Parteien nutzten soziale Ungerechtigkeit als Aufstiegsinstrument, beseitigten sie aber nach der Machtübernahme nicht.

Debatte um “Absentismus” und Gesundheitssystem

Auf Nachfragen zum Thema Arbeitsausfälle kritisierte Ros die undifferenzierte Verwendung des Begriffs “Absentismus”. Würde man klar zwischen unbegründeten Fehlzeiten und gerechtfertigten Abwesenheiten wie Krankschreibungen oder Mutterschutz unterscheiden, ließe sich die Zahl laut seinen Angaben um 50 Prozent oder mehr reduzieren. “Ist eine ärztlich attestierte Krankmeldung Absentismus? Oder eine Mutterschaftspause?”, fragte er rhetorisch.

Als Grund für längere Ausfallzeiten in Katalonien im Vergleich zum restlichen Spanien nannte er Verzögerungen bei Untersuchungen im öffentlichen Gesundheitswesen. Hier seien mehr finanzielle Ressourcen nötig, insbesondere im Bereich der psychischen Gesundheit.

Bilanz und Forderungen im Bildungssektor

Abschließend ging Ros auf den jüngsten Tarifabschluss im Bildungsbereich ein. Die UGT sei die zweitstärkste Gewerkschaft im privaten Ersatzschulwesen Kataloniens und pocht auf eine ganzheitliche Betrachtung des Bildungssystems. Trotz zahlreicher Proteste seit 2010 gebe es bisher nur ein Abkommen. Sein pragmatisches Fazit: “Das Problem von Vereinbarungen ist, dass sie immer unzureichend sind. Aber die Alternative ist ein Diskurs von ‘alles oder nichts’, und dann bleibt man am Ende oft mit nichts zurück.”

Quelle: Europa Press

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