Am Seitenstreifen stirbt man allein

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Vélez-Málaga

Am Seitenstreifen stirbt man allein

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein stiller Halt

Ein Mann sitzt in seinem Auto. Das Auto steht auf dem Seitenstreifen der A-7, bei Vélez-Málaga, in Richtung Málaga. Das Heck berührt die Leitplanke. Eine Position, wie man sie von unzähligen Pannen kennt. Aber hier hilft kein Pannendienst. Der Mann ist 36 Jahre alt, und er ist tot.

Um 8.15 Uhr geht der Notruf ein. Ein Zeuge hat das Fahrzeug auf dem Seitenstreifen gesehen und die 112 gewählt. Sanitäter und Guardia Civil rücken aus – und bestätigen nur noch den Tod. Wie Málaga Hoy berichtet, halten die Behörden einen natürlichen Tod für möglich. Die Ermittlungen dauern an. Was auch immer am Ende herauskommt: Gesellschaftlich ist an diesem Tod nichts Natürliches.

Die Kunst des Hinsehens

Da war ein Mensch, der in seinem Auto auf einem viel befahrenen Streckenabschnitt starb, während der Verkehr weiterrauschte. Und da war ein Zeuge, der nicht weiterglitt wie alle anderen, sondern anrief. Er hat das Richtige getan. Doch wir sollten uns nicht damit beruhigen, dass ja wenigstens einer hingesehen hat. Die Frage ist: Warum ist es eine Ausnahme, dass jemand anhält?

Jeder Autofahrer kennt die Situation: Ein Auto steht auf dem Seitenstreifen. Man überlegt einen Moment. Dann zieht man vorbei. Es ist nicht unsere Sache, sagt man sich. Der Abschleppdienst wird kommen, die Polizei, irgendwer. Der plötzliche Herztod aber kündigt sich nicht an. Er holt Menschen ohne Vorwarnung ab, mitten im Leben, manchmal am Steuer. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr Zehntausende am plötzlichen Herztod, wie die Deutsche Herzstiftung berichtet. Nicht alle werden rechtzeitig gefunden.

Man könnte einwenden, dass wir nicht jeden Wagen am Straßenrand kontrollieren können. Stimmt. Aber wir könnten öfter hinschauen. Nicht aus Hysterie, sondern aus Anstand. Hinschauen ist keine Kontrolle, sondern Zuwendung. Es ist die schlichte Bereitschaft, den Menschen hinter der Windschutzscheibe zu sehen.

Dieser 36-Jährige wird nicht wieder aufwachen. Aber sein Tod bleibt uns als Frage: Wann haben wir verlernt, einander wahrzunehmen? Vielleicht genau in dem Moment, als wir anfingen, ein Auto am Seitenstreifen nur noch als Hindernis zu betrachten.

Quellen:


Quelle: axarquiaplus.es

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