700 Jahre Corpus Christi: Fest und Protest in Valencia

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Valencia

700 Jahre Corpus Christi: Fest und Protest in Valencia

von Jonas Beck

Ein historisches Jubiläum mit zeitgenössischen Spannungen

Am vergangenen Sonntag feierte Valencia den 700. Jahrestag seiner „Festa Grossa“, des Corpus-Christi-Festes. Die zentrale Prozession mit der laut Stadtverwaltung größten Monstranz der Welt bildete den Abschluss eines mehrtägigen Festprogramms. Gleichzeitig wurde die Feierlichkeit von einer parallelen Aktion begleitet: Seit einer Woche campierten Lehrer des nicht-universitären öffentlichen Bildungssektors auf der Plaza de la Virgen, einem zentralen Schauplatz der Festlichkeiten, im Rahmen eines unbefristeten Streiks.

Wie das Rathaus von Valencia mitteilte, zogen die traditionellen Feierlichkeiten „Tausende Valencianer“ in die Innenstadt. Die Stadtverwaltung arbeitet darauf hin, dass das Fest als nationales Tourismus-Event anerkannt und schließlich in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wird.

Die Koexistenz von Tradition und Protest

Die Überlagerung von festlichem und protestbezogenem Geschehen war in der Vorwoche zu politischen Spannungen zwischen Stadtverwaltung und Regierungsdelegation geführt worden. Die streikenden Lehrer entschieden jedoch, wie aus ihren Mitteilungen hervorgeht, ihre Zeltstadt ab Mittwoch temporär umzuorganisieren, um „die korrekte Durchführung der Feierlichkeiten in einem so wichtigen Jahr“ nicht zu behindern. Sie bekundeten ihren Respekt vor den kulturellen Ausdrucksformen der valencianischen Gesellschaft.

Diese Koexistenz manifestierte sich auch während der Prozession selbst. Nach Angaben von Europa Press zeigte eine Gruppe von Lehrern auf Höhe des Zentralmarkts gelbe Warnwesten als Symbol für den Kampf um die öffentliche Bildung und grüne T-Shirts zur Unterstützung des Streiks. Ein weiterer Teilnehmerzug schloss sich nach der Ambulanz und dem offiziellen Festzug an. Nach Ende der Festakte bezogen die Protestierenden die Plaza de la Virgen wieder vollständig, kommentiert mit der Aussage: „Nach einem Wochenende des geteilten Platzes nehmen wir den Raum zurück und setzen den Kampf fort.“

Festliche Neuerungen und politische Kritik

Neu in diesem Jahr war die Aufstellung von Chören entlang der Prozessionsroute, die beim Passieren der Monstranz sangen. Die Blumendekoration, darunter ein großer Wandteppich an der Basilika und sieben monumentale Blumenarrangements entlang des Weges, wurde eigens für das 700-jährige Jubiläum gestaltet.

Trotz des reibungslosen Ablaufs kam auch Kritik auf. Pere Fuset, Stadtrat der Oppositionspartei Compromís, kritisierte in einer Stellungnahme, dass die regierende Partei trotz des historischen Datums keine nennenswerten Initiativen zur Würdigung des Jubiläums ergriffen habe. Er bemängelte, dass die Bürgermeisterin erst auf Druck seiner Partei hin ihre anfängliche Ablehnung gegenüber der UNESCO-Kandidatur korrigiert habe. Das Fest verdiene „weniger Fotos und mehr Arbeit“.

Bürgermeisterin María José Catalá betonte hingegen die Verantwortung des Stadtoberhaupts, dieses historische Ereignis zu schützen und zu fördern. Sie nahm zusammen mit Vertretern der Regionalregierung an der Pontifikalmesse in der Kathedrale und der anschließenden Prozession teil.

Die Ereignisse des Wochenendes demonstrieren, wie eine tiefverwurzelte religiös-kulturelle Tradition und ein aktueller sozialer Protest in einer modernen Stadtgesellschaft nebeneinander bestehen können, ohne sich gegenseitig zu behindern – ein Umstand, den alle Beteiligten als Beweis für die Reife der Stadt werten.

Quelle: Europa Press, Mitteilungen des Valencianischen Rathauses und der Lehrerversammlung.


Quelle: europapress.es

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