Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Über eine Million bei historischer Papstmesse
Es war eine Kulisse, die historische Dimensionen annahm: Die zentrale Achse der spanischen Hauptstadt zwischen der Plaza de Cibeles und der Castellana verwandelte sich am Mittwochvormittag in einen gewaltigen Freiluft-Dom. Nach Angaben der Organisatoren versammelten sich dort mehr als 1,2 Millionen Menschen zur Eucharistiefeier am Fronleichnamsfest, die von Papst León XIV. zelebriert wurde. Der Andrang übertraf alle Erwartungen bei weitem. Die Sicherheitskräfte mussten die Zugänge bereits drei Stunden vor Beginn der Messe schließen, wodurch tausende Menschen mit digitalen Eintrittskarten draußen bleiben mussten – ein Szenario, das sich bereits bei der Jugendvigil am Vorabend abgespielt hatte.
Eine starke andalusische Präsenz
Der Gottesdienst war deutlich von der Anwesenheit gläubiger Pilger aus Südspanien geprägt. Allein rund 7.000 Andalusier waren angereist, wie das Portal Málaga Hoy berichtete. Aus keiner der andalusischen Provinzen fehlten Gläubige bei dem Ereignis. Schon in den frühen Morgenstunden waren Fahnen von Bruderschaften wie der Hermandad de la Macarena oder der Salesianos de la Trinidad zu sehen. Unter den Teilnehmern gab es auch kritische Stimmen, etwa zum Transport der Figur der Virgen de la Almudena zum eigens errichteten Altar. „Also in Andalusien würden wir so etwas nie zulassen“, kommentierte eine wartende Gläubige.
Papst warnt vor „ästhetischem Leerlauf“
Die Predigt von Papst León XIV. ging weit über die reine Liturgie hinaus und enthielt eine deutliche politische Botschaft. Vor der riesigen Menge stellte der Pontifex die öffentliche Rolle der Religion klar heraus und wies die Vorstellung zurück, der Glaube gehöre allein in die Privatsphäre. „Niemand kann sich vor dem Herrn niederwerfen und den Bruder verachten“, mahnte er. Zugleich warnte er davor, katholische Traditionen zu bloßen Konsumgütern oder Touristenattraktionen verkommen zu lassen. Das Fronleichnamsfest sei keine „folkloristische Überlebensübung“ und kein „Museum der Vergangenheit“, sondern eine Schule des lebendigen Glaubens für das heutige Spanien.
Zum Abschluss forderte er die Katholiken auf, sich weder mit sozialer Gleichgültigkeit abzufinden noch sich einem „leeren Ästhetizismus“ hinzugeben. Der Christus, der auf goldenen Altären verehrt werde, sei derselbe, der in den Kranken, Arbeitslosen und Einsamen leide.
Tradition trifft auf Staatsprotokoll
Im Bereich für die offiziellen Gäste fiel Königin Letizia auf, die in weißer Kleidung dem historischen Protokoll gegenüber dem Papst folgte. Das Bild der Massenversammlung wurde zudem von Hunderten Standarten und Fahnen von Bruderschaften aus dem ganzen Land sowie von Kindern in ihren Erstkommunionsgewändern geprägt. Den feierlichen Abschluss bildete eine Prozession mit der Monstranz durch das Stadtzentrum. Der Besuch von Papst León XIV. in Madrid geht damit in seine finale Phase, während Hunderttausende weiterhin die Straßen der Hauptstadt füllen.
Quelle: malagahoy.es