
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Ärztestreik: Fünfte nationale Protestwoche gegen Statutsreform
Chronologie eines anhaltenden Protests
Seit diesem Montag befindet sich das spanische Gesundheitssystem erneut in einer Phase des Arbeitskampfes. Die Ärzteschaft und das medizinische Fachpersonal haben ihre fünfte nationale Streikwoche innerhalb dieses Jahres begonnen. Laut den aufrufenden Gewerkschaften richtet sich der Protest gegen den vom Ministerrat in erster Lesung verabschiedeten Entwurf für ein neues Rahmengesetz für das Gesundheitspersonal (Estatuto Marco) und zielt auf eine eigene, spezifischere Regelung für den Berufsstand ab.
Der Streikausschuss hat für die Woche vom 15. bis 19. Juni Arbeitsniederlegungen und Kundgebungen in verschiedenen autonomen Gemeinschaften organisiert. Den Höhepunkt bildet eine zentrale Demonstration am Montag, den 17. Juni, ab 12:00 Uhr vor dem Gesundheitsministerium in Madrid, zu der Delegierte und Fachkräfte aus dem gesamten Land anreisen werden. Diese Woche markiert laut Gewerkschaftsangaben die letzte Streikwelle vor der Sommerpause. Aus Verantwortung für das System in einer ohnehin durch Urlaubszeiten und Personalmangel angespannten Phase würden bis September keine weiteren Mobilisierungen stattfinden, die Proteste dann aber wiederaufgenommen werden.
Gescheiterter Vermittlungsversuch auf zentraler Ebene
Der aktuelle Streik folgt unmittelbar auf ein gescheitertes Krisentreffen. Wie das Gesundheitsministerium bestätigte, berief Ministerin Mónica García vergangenen Mittwoch den Interterritorialen Rat des Nationalen Gesundheitssystems (CISNS) ein, um mit den Vertretern der autonomen Regionen über die Statutsreform und den Ärztestreik zu verhandeln. Die Sitzung endete jedoch ergebnislos, da die Regionen eine Abstimmung über die Tagesordnungspunkte ablehnten, die Empfehlungen zur Lösung des Konflikts enthielten.
In der anschließenden Pressekonferenz zeigte sich Ministerin García enttäuscht: „Die autonomen Gemeinschaften haben sich entschieden, sich nicht auf diese Forderungen einzulassen, die den Konflikt lösen würden. Heute hätten die autonomen Gemeinschaften den Konflikt entschärfen können, indem sie ihren Teil der Zuständigkeiten übernommen hätten (...), und sie haben sich dagegen entschieden“, so die Ministerin. Sie betonte jedoch, das Ministerium werde weiterhin im Dialog arbeiten, verwies aber gleichzeitig darauf, dass nun die Regionen für die Erfüllung gewerkschaftlicher Forderungen wie der Reduzierung von Bereitschaftsdiensten zuständig seien.
Regionen fordern Initiative des Ministeriums
Die autonomen Gemeinschaften sehen die Verantwortung dagegen klar beim Zentralministerium. Wie aus Kreisen des CISNS bekannt wurde, überreichten die regionalen Vertreter während des Treffens ein Schreiben, in dem sie ein „staatliches Abkommen“ einfordern, das vom Gesundheitsministerium vorangetrieben werden müsse. Nur dieses habe die „Kapazität“, die Rechtsvorschriften zu ändern und „auf die gestellten Forderungen zu antworten“.
Der baskische Gesundheitsrat, Alberto Martínez, der in dieser Angelegenheit für alle Regionen sprach, brachte die Position auf den Punkt: „Die Ministerin steht allein da. Sie hat nicht die Unterstützung der Fachkräfte. Sie hat nicht die Unterstützung der Gewerkschaften. Und sie hat uns, die autonomen Gemeinschaften, nicht auf ihrer Seite.“
Hintergrund: Der umstrittene Gesetzesentwurf
Der Kern des Konflikts ist der Entwurf des Rahmengesetzes, der am 2. Juni vom Ministerrat gebilligt wurde und sich nun in der Phase der öffentlichen Konsultation befindet. Der Text basiert auf einer Vereinbarung, die das Gesundheitsministerium im Januar mit den im Verhandlungsbereich vertretenen Gewerkschaften (SATSE-FSES, FSS-CCOO, UGT und CSIF) erzielt hatte. Diese Gewerkschaften repräsentieren jedoch nicht die Ärzteschaft und das medizinische Fachpersonal, deren Interessenverbände den Entwurf entschieden ablehnen und stattdessen ein eigenes Statut fordern.
Die Entwicklung zeigt eine tiefe Kluft zwischen der Zentralregierung, den autonomen Regionen und einem wesentlichen Teil der Gesundheitsberufe. Während das Ministerium auf einem bereits ausgehandelten Text beharrt und die Umsetzung konkreter Maßnahmen an die Regionen delegiert, verweisen diese die Verantwortung an die Zentrale zurück. Die Ärzteschaft ihrerseits setzt mit anhaltenden Streiks den Druck auf beide politischen Ebenen fort.
Wie aus Gewerkschaftskreisen verlautet, wird der Konflikt nach der Sommerpause mit neuer Intensität fortgesetzt, sollte bis dahin keine grundlegende Lösung in Sicht sein.
Quelle: 20minutos.es