Ärzte drohen mit Dauerstreik im Herbst

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Ärzte drohen mit Dauerstreik im Herbst

von Clara Weber

"Wir sind ausgebrannt"

Hunderte Ärzte in weißen Kitteln versammelten sich erneut vor dem spanischen Gesundheitsministerium. Die Stimmung war angespannt, die Botschaft klar: "Agotados", "quemados" und "hartos" – erschöpft, ausgebrannt und satt. Es war der Auftakt zur fünften Streikwoche in diesem Jahr. Doch dieses Mal drohen die Ärztinnen und Ärzte mit einer Eskalation: Sollte sich bis nach dem Sommer nichts an der Lage ändern, planen sie einen unbefristeten Streik.

Der zentrale Streitpunkt ist das von Gesundheitsministerin Mónica García vorgeschlagene neue Rahmenstatut. Doch wie mehrere Mediziner vor Ort berichteten, geht der Unmut weit über den konkreten Gesetzestext hinaus. Im Fokus stehen untragbare Arbeitsbedingungen: 24-Stunden-Dienste, endlose Schichten, mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und ein Gefühl der systematischen Abnutzung.

Der Exodus zum Privatsektor

Rocío Calvo, eine 47-jährige Kinderneurologin aus einem Krankenhaus in Málaga, trägt ein Schild mit der Aufschrift "R.I.P. öffentliches Gesundheitswesen". Mit über 20 Jahren Berufserfahrieung beobachtet sie einen besorgniserregenden Trend. "Das große Problem ist, dass wir, wenn man uns weiterhin so behandelt, in den privaten Gesundheitssektor abwandern werden", sagte sie gegenüber 20minutos. Sie sieht, wie Kolleginnen und Kollegen die Motivation verlieren und zu besseren Alternativen wechseln. "Und wenn wir gehen, wird man den Mangel an kompetenten, verantwortungsvollen und effizienten Fachkräften wirklich zu spüren bekommen. Die Gesundheitsversorgung ist keine Produktionskette, man braucht erfahrene Leute", betont sie.

Diese Sorge teilt auch Marcos, ein 32-jähriger Pneumologe. "Der Ball wird immer größer", beschreibt er das wachsende Unbehagen. Trotz seiner erst sechsjährigen Tätigkeit als Facharzt fühlt er sich bereits ausgebrannt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Leben in den nächsten 20 Jahren so weitergeht. Es muss sich etwas ändern, andernfalls überlege ich mir, nicht mehr im öffentlichen System zu arbeiten."

"In der Nacht weiß man manchmal nicht mehr, was man tut"

Besonders drastisch schildert ein 27-jähriger Neurologe, der anonym bleiben möchte, die Situation in den Krankenhäusern. "Man schläft wenig. Es ist sehr selten, mehr als drei Stunden am Stück zu ruhen. In der Notaufgabe ist es die Regel, weniger als zwei Stunden oder sogar gar nicht zu schlafen." Die Folge: "Ohne die Möglichkeit, sich abzuwechseln, steht man mitten in der Nacht bei den Patienten und weiß manchmal nicht mehr genau, was man tut." Er bezweifelt, dass die im neuen Statut vorgesehene Reduzierung der Dienste von 24 auf 17 Stunden in der Praxis umsetzbar sein wird.

Die Schwestern Sonia und Mónica, beide 40 Jahre alt und als Pathologin bzw. Radiologin tätig, unterstrichen die universelle Betroffenheit. "Dies betrifft uns alle, als Ärzte, weil es unsere Arbeitsbedingungen sind, und als gegenwärtige und zukünftige Patienten", so Mónica. Der größte Mangel sei die fehlende Work-Life-Balance. "Man kann sich anderen persönlichen Bereichen nicht widmen, wenn man seine ganze Energie dem Beruf gibt. Es ist unmöglich."

Forderungen und Ausblick

Die Kernforderungen der Streikenden bleiben: Arbeitsbedingungen wie in anderen Berufen und ein früherer Renteneintritt, da sie laut Aussage des Streikkomitees "fünf oder sechs Jahre länger" arbeiten müssten als andere Beschäftigte. Zur Lösung des Konflikts fordern sie, dass die Gesundheitsministerin mit ihren Kolleginnen aus den Ressorts Finanzen und Arbeit zusammenkommt, um die Punkte zu klären, die laut Ministerium García außerhalb ihrer Zuständigkeit liegen.

Auch Medizinstudentinnen waren bei der Demonstration dabei, aus Sorge vor ihrer eigenen Zukunft. "Letztendlich wird es uns auch schaden. In ein paar Jahren werden wir es sein, die unter diesen Bedingungen arbeiten müssen."

Mit der Ankündigung eines unbefristeten Streiks für den Herbst hat die Ärzteschaft die Latte hoch gelegt. Ob die Regierung bis dahin auf die Forderungen eingeht, bleibt abzuwarten. Der Druck auf das öffentliche Gesundheitssystem wächst – von innen wie von außen.


Quelle: 20minutos.es