Zwölf Meter Stille: „Julia“ bleibt in Madrid

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Zwölf Meter Stille: „Julia“ bleibt in Madrid

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein stiller Riese trotzt dem Stadtgetümmel

Während um sie herum die Hauptstadt tobt, sitzt sie da: zwölf Meter Ruhe, Augen geschlossen, ganz in Weiß. Die Rede ist von „Julia“, der monumentalen Kopfskulptur des katalanischen Künstlers Jaume Plensa, die Madrids Plaza de Colón auch 2027 nicht verlassen wird. Die Stadtverwaltung und die Fundación María Cristina Masaveu Peterson haben sich geeinigt – ein Triumph für alle, die verstanden haben, dass Kunst im öffentlichen Raum mehr ist als bloße Deko.

Ein Gesicht, das niemanden ansieht – und gerade deshalb alle

Man könnte meinen, eine blinde Riesenbüste sei das falsche Signal in einer Stadt, die von Selbstinszenierung lebt. Doch genau diese Provokation macht den Reiz aus. Plensa, Träger des renommierten Velázquez-Preises, konfrontiert uns mit einer Figur, die uns den Rücken zukehrt – metaphorisch gesprochen. Statt uns anzustarren, zwingt sie uns, nach innen zu schauen. Auf uns selbst. Auf das, was in unseren Köpfen vorgeht. Eine radikale Gegenposition zur Reizüberflutung unserer Zeit.

Kritiker mögen einwenden, dass zwölf Meter Polyesterharz und Marmorpulver in einer der meistfrequentierten Verkehrsachsen Madrids deplatziert seien. Wer so argumentiert, hat die Funktion von Kunst im Stadtraum nicht verstanden.

Warten, bis der Zahn der Zeit nagt

Die Stadtverwaltung ließ die Skulptur im vergangenen Juni aufwendig restaurieren – ein Prozess, den allein die Mäzenatenfamilie finanzierte. Die städtische Gesellschaft Madrid Destino koordinierte das Prozedere, von den Gerüsten bis zu den Sicherheitsvorkehrungen. Eine Investition, die sich lohnt, denn Kunstwerke im öffentlichen Raum sind kein Wegwerfprodukt. Sie sind Teil des städtischen Gedächtnisses – ein Fakt, den manche Kommunalpolitiker gern vergessen, wenn es um Etatkürzungen geht.

Ein Katalane erobert die Welt – und bleibt in Madrid

Plensa selbst ist längst ein globales Phänomen: Seine Werke stehen von Tokio bis Chicago, von London bis Seoul. Doch die Tatsache, dass ausgerechnet „Julia“ – sein erstes Werk dieser Größenordnung in Spanien – ausgerechnet im politisch aufgeladenen Zentrum Madrids verharrt, ist eine Botschaft gegen den kulturellen Provinzialismus. Kunst überwindet Grenzen.

Die Verlängerung des Aufenthalts ist mehr als eine Verlängerung eines Mietvertrags. Es ist ein kultureller Paukenschlag mitten in einer Zeit, in der öffentliche Ausgaben für Kunst zunehmend infrage gestellt werden. Während andere Städte Statuen abbauen, sagt Madrid: Wir holen sie nicht ab, wir lieben sie.

121212 Stunden – so lange haben wir also noch Zeit, einem zwölf Meter hohen Gesicht zuzusehen, wie es mit geschlossenen Augen die Seele der Stadt atmet. Wer darin keine Bereicherung sieht, hat vielleicht selbst die Augen geschlossen.

Wie unter anderem die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, war die Skulptur ursprünglich im Dezember 2018 im Rahmen eines städtischen Kunstprogramms enthüllt worden – als Teil der Mäzenatentätigkeit der Fundación María Cristina Masaveu Peterson.


Quelle: europapress.es

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