Wenn die Flammen die Politik überholen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Wenn die Flammen die Politik überholen

von Sabine Keller

Hilflos im Angesicht der Feuerwalze

Wieder brennt Spanien. Und wieder ist die Rede von „unvermeidbaren Naturkatastrophen“, von „außergewöhnlichen Wetterlagen“. Aber lassen Sie mich eines klarstellen: Ein Feuer, das 150 Hektar in Castellón frisst, 2300 Hektar in Girona in Asche legt und in Huesca 250 Hektar Wald vernichtet, ist kein Schicksalsschlag – es ist das Ergebnis jahrelanger politischer Ignoranz. Die Flammen sind kein Zufall, sie sind der Quittung für eine Politik, die Prävention als lästige Pflicht betrachtet.

Der Trost der Stabilisierung

Der Chef der Feuerwehr von Girona, Jordi Martínez, erklärte am Sonntag, der Brand sei „wie erwartet“ verlaufen. Wie erwartet? Soll das beruhigen? 25 Häuser sind zerstört, elf komplett. 500 Menschen mussten ihre Wohnungen in Azuébar verlassen – viele landeten notdürftig im Priesterseminar von Segorbe. Die UME, die sonst mit Heldenmythen umgeben wird, durfte sich zurückziehen, weil der Brand in Girona „stabilisiert“ ist. Stabilisiert heilt nicht die Narben in Les Gavarres, einem Naturpark, der zu 97 Prozent verkohlt ist. Stabilisiert gibt den Vertriebenen ihr Zuhause nicht zurück.

Der Dreiklang des Versagens

In Loporzano, Huesca, ist das Feuer zwar perimetriert, aber die Behörden wagen keine Entwarnung – zu groß die Angst vor Winddrehern. Und während 200 Einsatzkräfte und 15 Löschflugzeuge gegen die Flammen kämpfen, während die Temperatur in die Höhe schießt, fällt kein Wort über die Ursachen. Kein Wort darüber, dass Brandstiftung, fahrlässiges Verhalten und eine unzureichende Waldpflege diese Katastrophen erst möglich machen. Die Politik spricht von „Vorsicht“ und „Wachsamkeit“ – aber wo bleibt die Vorbeugung? Wo bleiben die Investitionen in Feuerwehrtechnik, in Brandschneisen, in Aufklärung?

Was bleibt, ist Asche

Die Brände in Sevilla, Granada, Córdoba, Navarra, Ciudad Real oder León – sie alle sind die gleiche Litanei. Ein Feuer, das aus dem Nichts kommt? Nein. Es ist das Ergebnis eines Systems, das reagiert statt vorauszudenken. Die Feuerwehrleute arbeiten gegen die Uhr, die UME ist im Einsatz, die Bürger bangen um ihr Hab und Gut – und die Verantwortlichen sitzen in klimatisierten Büros und reden von „Herausforderungen“. Eine Herausforderung ist ein Marathon, nicht ein Flammeninferno, das jedes Jahr Dutzende Menschen in die Flucht schlägt.

Die Feuer sind noch nicht gelöscht. Aber die Frage sollte nicht sein, wann die Flammen erlöschen – sondern wann die Politik endlich aufwacht. Oder wird auch das nächste Feuer wieder „unerwartet“ kommen?

(Quelle: 20minutos, Bericht vom 16. Juli 2024)


Quelle: 20minutos.es