Spanien in der Gluthölle

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Spanien in der Gluthölle

von Sabine Keller

Die unbarmherzige Realität

42 Grad im Schatten, Nächte, die keine Abkühlung bringen, und Warnungen, die von „erheblicher“ bis „außergewöhnlicher“ Gefahr reichen – das ist Spanien in diesen Tagen. Die staatliche Wetteragentur Aemet hat die Hitzewelle, die am Sonntag begann, noch einmal verlängert: mindestens bis Mittwoch, vielleicht sogar bis Donnerstag wird das Land unter einer Glocke aus brutaler Sonne stöhnen. Besonders betroffen sind das Ebro-Tal, der Südwesten und die Regionen um den Guadalquivir, wo die Quecksilbersäule die 42-Grad-Marke knackt. Ab Dienstag gelten in Aragonien, Katalonien und der Valencianischen Gemeinschaft sogar rote Alarmstufen.

Wer jetzt von „schönem Sommerwetter“ spricht, verkennt die Gefahr. Hitzewellen sind keine Laune der Natur, sondern tödliche Ereignisse. Die reißerischen Meldungen über „Höchsttemperaturen“ kaschieren, worum es wirklich geht: um die Gesundheit von Millionen Menschen. Das Gesundheitsministerium ruft eindringlich dazu auf, viel zu trinken, Schatten zu suchen und die heißen Mittagsstunden zu meiden. Besonders alte Menschen, Schwangere, Kleinkinder und alle, die draußen arbeiten müssen, sind akut gefährdet.

Wann endlich handelt die Politik?

Ein Appell ist gut. Aber reicht er? Während die Temperaturen steigen, fallen die entscheidenden Maßnahmen aus. Keine Notfallpläne für Obdachlose, keine Kühlzentren in den Städten, kein Stopp von Straßenbauarbeiten, die Arbeiter in die pralle Sonne schicken. Stattdessen heißt es: „Bleiben Sie zu Hause, trinken Sie Wasser.“ Schön und gut – aber was ist mit denen, die kein Zuhause haben, das sie kühlen können? Was ist mit den Erntehelfern, die für ein Hungerlohn in der Gluthitze schuften müssen? Die Aemet spricht von „außergewöhnlichem“ Risiko. Die Politik reagiert mit Standardfloskeln. Das ist keine Vorsorge, das ist Kapitulation vor dem Klimawandel.

Dabei wäre das alles vermeidbar – wenn die Verwaltung endlich begreifen würde, dass Hitzewellen keine Naturkatastrophen sind, sondern soziale. Der Tod durch Hitze trifft immer die Schwächsten zuerst. Es wird Zeit, dass die Warnungen nicht nur auf X (ehemals Twitter) geteilt werden, sondern in konkrete Schutzprogramme münden. Sonst bleibt es bei heißen Luftversprechen.

Quellen: Aemet (Agencia Estatal de Meteorología), Ministerio de Sanidad – Mapa de riesgo para la salud. Berichterstattung von 20minutos.


Quelle: 20minutos.es