Vier Jahre Missbrauch an Stiefkindern in Palma

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

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Vier Jahre Missbrauch an Stiefkindern in Palma

von Jonas Beck

Am kommenden Montag beginnt vor der Zweiten Abteilung des Provincial de Balears in Palma de Mallorca ein Prozess, der die dunkle Seite einer Familie über vier Jahre hinweg beleuchtet. Angeklagt ist ein Mann, der seine drei minderjährigen Stiefkinder, zwei Jungen und ein Mädchen, systematisch missbraucht und terrorisiert haben soll. Die Staatsanwaltschaft fordert für den 45-Jährigen eine Gesamtstrafe von 39 Jahren Haft.

Systematisches Klima der Angst

Laut der schriftlichen Anklageschrift der Staatsanwaltschaft, die dieser Redaktion vorliegt, ereigneten sich die Taten zwischen November 2016 und Juni 2019 in Palma. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, die gemeinsame Haushaltsführung mit den Kindern und deren Mutter gezielt ausgenutzt zu haben, um ein „Klima des Terrors“ zu etablieren.

Die Grundlage dieser Atmosphäre waren nach Angaben der Ermittler regelmäßige physische und verbale Aggressionen gegenüber der Mutter, die die Kinder stets miterleben mussten. Dieses gewalttätige Verhalten, so die Anklage, diente dazu, die Kinder dauerhaft einzuschüchtern und gefügig zu machen.

Katalog schwerster sexualisierter Gewalt

Das Ausmaß der Vorwürfe geht weit über psychische Misshandlung hinaus. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann einen ganzen Katalog sexualisierter Straftaten vor. Dazu gehöre Exhibitionismus, indem er sich in Gegenwart der Kinder die Hose herunterließ und seine Genitalien berührte. Zudem soll er die Minderjährigen gezwungen haben, pornografische Filme anzuschauen.

Die schwerwiegendsten Anklagepunkte sind sexueller Missbrauch, die Vergewaltigung eines der Mädchen und die Nutzung Minderjähriger zur Herstellung pornografischen Materials. Konkret soll der Angeklagte eines der Mädchen beim Duschen gefilmt haben. Die Ermittlungen stützen sich maßgeblich auf die Aussagen der Kinder, die inzwischen forensisch psychologisch begutachtet wurden.

Folgen und Forderungen der Anklage

Die Folgen für die drei Geschwister sind schwerwiegend. Wie aus Gerichtskreisen verlautet, leiden alle drei unter schweren psychologischen Reaktionen und haben ein extremes Angstgefühl gegenüber dem Angeklagten entwickelt. Sie befinden sich nach wie vor in therapeutischer Behandlung.

Das Ministerio Público (Staatsanwaltschaft) stellt neben der langjährigen Freiheitsstrafe weitere Anträge. Sie beantragt den vollständigen Entzug des Sorgerechts für die Opfer und fordert Schadensersatzzahlungen in Höhe von insgesamt 72.000 Euro an die Kinder. Der Prozess ist auf vier Verhandlungstage bis Donnerstag angesetzt.

Die Beweisaufnahme wird sich neben den psychologischen Gutachten auch auf mögliche sichergestellte Aufnahmen und weitere Zeugen stützen. Die Europa Press Agentur hatte zuerst über die Eröffnung des Verfahrens berichtet.


Quelle: europapress.es