Streik am Flughafen Palma: Druck auf Schwerbehindertenbegleiter

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

palma-de-mallorca

Streik am Flughafen Palma: Druck auf Schwerbehindertenbegleiter

von Jonas Beck

Konflikt um Arbeitsbedingungen eskaliert

Am Flughafen Son Sant Joan in Palma de Mallorca steht für den kommenden Montag, den 25. Mai 2026, ein Arbeitskampf an, der die Reiseverkehrssaison überschattet. Die Belegschaft des Services für Passagiere mit Mobilitätseinschränkung (PMR) hat einen Streiktag angekündigt. Dieser ist der vorläufige Höhepunkt eines monatelangen Konflikts, den die Mitarbeiter als Folge einer "unhaltbaren Verschlechterung" ihrer Arbeitsverhältnisse beschreiben.

Die historischen Forderungen nach mehr Stabilität werden nun durch eine schwerwiegende Beschuldigung ergänzt: Die Geschäftsführung des Dienstleisters Adelte werde, so die Vorwürfe, mit internen Verfügungen direkt in das verfassungsmäßig geschützte Streikrecht eingreifen. Wie diese Zeitung in Erfahrung bringen konnte, zirkuliert eine interne Unternehmensrichtlinie, die offenbar darauf abzielt, die Wirkung des Streikaufrufs zu unterlaufen.

Vorwürfe der Beeinflussung und Rechtsverletzung

Das konkrete Auslöser-Ereignis für die aktuelle Eskalation ist eine unternehmensinterne Verfügung zur Sperrung von Diensttausch. Laut den Gewerkschaftsvertretern erlaubt das Gesetz zwar eine teilweise und begründete Ablehnung von Tauschanträgen, sobald die behördlich festgelegten Mindestbesetzungen für Streiktage veröffentlicht sind. Das Unternehmen ADELTE habe jedoch bereits vor diesem Schritt eine pauschale, 100-prozentige Sperre verhängt.

In der internen Verfügung, die dieser Redaktion vorliegt, heißt es: "Hiermit wird mitgeteilt, dass aufgrund der für den kommenden 25. Mai 2026 geplanten Streikankündigung ab sofort keine Diensttausche mehr genehmigt werden können, die das Datum des 25. Mai oder spätere betreffen." Mitarbeiter kritisieren diesen Schritt scharf: "Die Firma hat diesen Erlass verschickt, um uns einzuschüchtern und vom Streik abzuhalten. Das verstößt direkt gegen das Streikrecht", so eine Stimme aus der Belegschaft. Das Ziel sei, die Auswirkungen des Protests an einem für den Flughafenverkehr zentralen Tag zu verwässern.

Strukturelle Probleme: Chronischer Personalmangel und Prekarität

Die Streikankündigung resultiert laut den Beschäftigten aus einem tief verwurzelten strukturellen Problem. Der Dienstbetrieb sei von einem übermäßigen Einsatz von Teilzeitverträgen geprägt, die durch ständige, kurzfristige Aufstockungen der Arbeitszeit ergänzt würden. Dies führe zu einer permanenten Unsicherheit, da viele Mitarbeiter "vollständig von diesen vorübergehenden Aufstockungen abhängig sind, um über die Runden zu kommen".

Die Belegschaft liefert konkrete Zahlen, die ihrer Ansicht nach einen chronischen Personalmangel belegen, der durch die bestehende Belegschaft aufgefangen werden müsse. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen über 8.000 solcher Arbeitszeiterhöhungen vorgenommen, "meist von einem Tag auf den anderen". Allein im April 2026 seien bereits etwa 1.800 Verlängerungen registriert worden. "Das zeigt eindeutig, dass es sich nicht um eine punktuelle Notwendigkeit handelt, sondern um einen chronischen Personalmangel, den das Unternehmen lieber durch ständigen Druck auf die vorhandene Belegschaft abfedert", argumentieren die Beschäftigten. Diese Zahlen belegten die Existenz von stabilen Arbeitsplätzen, die in Vollzeitstellen umgewandelt werden müssten.

Auswirkungen auf Sicherheit und Servicequalität

Die angespannte Personalsituation schlägt sich direkt auf den Service für die Passagiere nieder. Aus internen Berichten und Aussagen der Mitarbeiter ergeben sich Szenarien logistischen Chaos. Ältere oder mobilitätseingeschränkte Passagiere müssten teils stundenlang auf die vereinbarte Assistenz warten, weil nicht genügend zuverlässig und langfristig geplantes Personal vorhanden sei.

Zudem klagen die Beschäftigten über ein System der psychologischen Druckausübung, insbesondere auf neue Kollegen. Diese fühlten sich oft gezwungen, Überstunden oder ungünstige Dienständerungen anzunehmen, aus Angst, die Probezeit nicht zu bestehen oder negativ aufzufallen. Weiterhin wird der Geschäftsführung vorgeworfen, die gesetzlichen Regelungen für sogenanntes Festes Discontinuitäts-Personal (Fijo Discontinuo) zu missachten, indem beispielsweise erfahrene Mitarbeiter im Oktober entlassen würden, während neu eingestelltes Personal in der Wintersaison weiterbeschäftigt werde.

Managementmodell als Grund für Instabilität

Als einen weiteren destabilisierenden Faktor identifizieren die Streikenden das im Flughafenbetrieb übliche Modell der regelmäßig ausgeschriebenen Konzessionsverträge. Alle zwei bis vier Jahre übernehme teilweise ein neues Unternehmen den Service, mit veränderten Vorschriften und Abläufen. Für den langjährigen Mitarbeiter bedeute dies, "in einem dauerhaften Zustand der Anpassung unter Druck" zu leben.

Die anstehende Streikaktion am Flughafen Palma de Mallorca offenbart somit nicht nur einen akuten Tarifkonflikt, sondern systemische Schwächen in der Organisation eines für die Barrierefreiheit im Luftverkehr essentielle Dienstleistung. Die Entwicklung der nächsten Tage wird zeigen, ob der Warnstreik zu einer Entschärfung der Situation oder zu einer weiteren Verhärtung der Fronten führt.


Quelle: diariodemallorca.es