Versteckte Millionen: Zapateros Juwelen und ein peinliches Geständnis

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Versteckte Millionen: Zapateros Juwelen und ein peinliches Geständnis

von Sabine Keller

Ein peinlicher Irrtum – mal vierzig

Man stelle sich vor, man schätzt den Wert eines Ferraris auf den Preis eines gebrauchten Golf. Die Größenordnung wäre ähnlich grotesk. Genau das ist Luis Arroyo, dem autorisierten Sprecher des früheren spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero, passiert. Nachdem die Polizei bei einer Durchsuchung von Zapateros Büro im Mai eine Reihe von Juwelen sichergestellt hatte, versicherte Arroyo der Öffentlichkeit, es handele sich um Familienerbstücke und Geschenke im Wert von “30.000 bis 50.000 Euro”. Eine offizielle, vom Untersuchungsrichter der Audiencia Nacional in Auftrag gegebene Schätzung kam nun zu einem anderen Ergebnis: 1,3 Millionen Euro. Arroyos Schätzung lag also um den Faktor 40 daneben.

Folgerichtig kam von dem Sprecher am vergangenen Freitag nur noch eins: ein öffentliches “perdón” – eine Bitte um Verzeihung. Auf Twitter schrieb er, wie mehrere Medien berichteten, er entschuldige sich “in meinem eigenen Namen dafür, über den Wert der Juwelen des Präsidenten Zapatero in die Irre geführt zu haben.” Eine untertriebene Formulierung für einen Fehler, der in der politischen Landschaft Madrids wie eine Detonation wirkte.

Die kalte Expertise von Ansorena

Während Arroyos Angabe nach Gutdünken klang, beruht die neue Summe auf kühler professioneller Expertise. Mit der Bewertung wurde die traditionsreiche Madrider Juwelierfirma Ansorena beauftragt, die in Zusammenarbeit mit dem Spanischen Gemmologischen Institut zum Urteil kam: Die Stücke sind siebenstellig wert. Dieser gewaltige Unterschied verwandelte eine bislang eher nebulöse Angelegenheit in einen konkreten, messbaren Skandal. Plötzlich geht es nicht mehr um “ein paar Schmuckstücke”, sondern um einen Vermögenswert, der in keiner Weise zu dem bescheidenen Image des sozialistischen Ex-Regierungschefs passen will.

Der politische Nachhall: “Wer lügt, hat etwas zu verbergen”

Die politischen Gegner schlugen sofort zu. Die Parlamentssprecherin der konservativen Volkspartei (PP), Ester Muñoz, zog die direkte Linie von der falschen Angabe zur moralischen Schuld: “Das zeigt ganz klar, dass er lügt, und nur wer etwas zu verbergen hat, lügt.” Noch schärfer fiel José María Figaredo, Generalsekretär der Vox-Fraktion im Kongress, aus. Für ihn sind die Juwelen der “höchste Ausdruck des Diebstahls” durch die PSOE und die Regierung, die er pauschal als “Diebe” und “Mafia” bezeichnete.

Die eigene Partei, der PSOE, zeigt sich dagegen vorerst loyal. Aus der Parteizentrale in Ferraz heißt es, man vertraue darauf, dass Zapatero den Ursprung der Juwelen vor dem Untersuchungsrichter José Luis Calama werde erklären können. Dort muss der Ex-Präsident sich ohnehin verantworten – im Zusammenhang mit dem sogenannten ‘Caso Plus Ultra’, in dem ihm mutmaßliche Befangenheit und Vorteilsnahme vorgeworfen werden. Seine Aussage ist für den 17. und 18. Juni angesetzt. “Er wird dem Richter auch dazu Erklärungen geben”, so sein Sprecher Arroyo.

Mehr als nur eine falsche Schätzung

Die ganze Affäre ist symptomatisch für eine tiefe Vertrauenskrise. Es geht nicht mehr nur um den tatsächlichen oder vermeintlichen Fehler eines Sprechers. Die 1,3 Millionen Euro stehen als glänzendes, unübersehbares Symbol für Fragen, die die politische Kultur Spaniens seit Jahren begleiten: Welche Vermögenswerte halten Politiker hinter verschlossenen Tresoren? Wie passen solche Werte zu ihrem offiziellen Einkommen? Und wann wird aus einem “Irrtum” eine bewusste Täuschung der Öffentlichkeit?

Zapatero steht nun unter enormem Druck. Sein Geständnis vor dem Richter wird nicht nur juristisch, sondern auch moralisch über seinen Ruf entscheiden. Eine Erklärung für den Familien-Schmuck im fünfstelligen Bereich hätte das Publikum vielleicht noch geschluckt. Eine glaubhafte Herleitung für einen siebenstelligen Schatz zu liefern – das wird die eigentliche Bewährungsprobe.

Quellen: Meldungen von 20minutos.es sowie weiteren spanischen Nachrichtenagenturen über die Stellungnahmen von Luis Arroyo (Twitter), Ester Muñoz (PP), José María Figaredo (Vox) und des PSOE, sowie den Bericht zur Schätzung durch die Juwelierfirma Ansorena.


Quelle: 20minutos.es

Mehr aus Madrid & Spanien