Verdacht auf Einflussnahme in Plus-Ultra-Verfahren

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Verdacht auf Einflussnahme in Plus-Ultra-Verfahren

von Jonas Beck

Richterin verweist auf Chat-Beweise bei Plus-Ultra-Ermittlungen

Die Ermittlungen im Komplex um die Fluggesellschaft Plus Ultra haben neue dokumentarische Beweise hervorgebracht. Wie aus gerichtlichen Unterlagen hervorgeht, die der Nachrichtenagentur EFE vorlagen, hat die ermittelnde Richterin Esperanza Collazos Chat-Konversationen ausgewertet, die auf eine mutmaßliche Einflussnahme des ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero hindeuten. Demnach soll Zapatero bei Führungskräften des Energiekonzerns Repsol interveniert haben, um dem venezolanischen Geschäftsmann Danilo Diazgranados die Vertriebsrechte für Schmierstoffe des Konzerns in Venezuela zu verschaffen.

Die Richterin stützt ihre Aussagen auf einen polizeilichen Bericht zu einem Chat mit dem Namen „DANILO-ESPAÑA“. In diesen detaillierten Gesprächen kommuniziert Diazgranados mit einer Person, die als „Zorro“, „Z“ oder „ZZZZ“ identifiziert wird. Laut dem Bericht, auf den sich die Richterin bezieht, handelt es sich bei dieser Person um José Luis Rodríguez Zapatero.

Vorwürfe der Bestechung und Vorteilsannahme

In ihrer Beschlussbegründung vom 23. Februar führt Richterin Collazos konkrete Handlungen auf, die sich über mehrere Jahre erstrecken und auf die mutmaßliche Begehung von Straftaten wie Bestechung, Vorteilsannahme und Geschäftskorruption hindeuten. Sie sieht Anhaltspunkte für eine hierarchisch strukturierte Organisation mit dem Ziel dauerhafter Einflussnahme.

Ein konkreter Vorwurf lautet, Zapatero habe durch seinen Einfluss bei Repsol-Executives erreicht, dass Diazgranados im Dezember 2023 den Vertrieb für Schmierstoffe in Venezuela erhielt. Ein weiterer in dem Beschluss erwähnter Verdacht betrifft die Vermittlung durch den Polizeikommissar Jesús María Gómez Martín. Dieser soll, so die Richterin unter Berufung auf die Chat-Protokolle, Geschäfte mit mutmaßlich illegaler Herkunft auf dem Madrider Flughafen Cuatro Vientos ermöglicht haben.

Repsol bestreitet Verbindung – Verfahren wurde neu aufgerollt

Der Energiekonzern Repsol hat auf Nachfrage von EFE jegliche geschäftliche oder sonstige Beziehung zu Danilo Diazgranados kategorisch bestritten. Das Unternehmen verwies auf seine strikten Grundsätze der Transparenz, Integrität und Rechtskonformität in allen Geschäftsgebieten.

Das Verfahren selbst hat eine komplexe Geschichte. Die ursprüngliche Untersuchung zu einem 53-Millionen-Euro-Darlehen an Plus Ultra durch Richterin Collazos war zunächst eingestellt worden. Auf Betreiben der Antikorruptionsstaatsanwaltschaft wurde der Fall jedoch wiederaufgenommen. Nach erneuten Ermittlungen, bei denen auch die Finanz- und Steuerbehörden einbezogen wurden, leitete Collazos das Verfahren an das Nationale Gericht (Audiencia Nacional) weiter, wo Zapatero nun als Beschuldigter (imputado) geführt wird.

In diese Ermittlungen fließen auch Zahlungen der Beratungsfirma Análisis Relevante ein, deren mutmaßlicher Kopf Julio Martínez als „Stellvertreter“ des Netzwerks beschrieben wird. Laut den Unterlagen sollen Zahlungen an den ehemaligen Ministerpräsidenten und an eine Firma seiner Töchter geleistet worden sein. Zapatero hatte hierzu im März im Senat ausgesagt und angegeben, durchschnittlich 70.000 Euro brutto pro Jahr von der Firma erhalten zu haben, alles versteuert und mit Rechnung.

Die Untersuchung konzentriert sich nun auf die Gesamtheit der Beweise, zu denen auch ein bei einer Durchsuchung der Plus-Ultra-Zentrale gefundener Visitenkarte von Kommissar Gómez sowie weitere Chats gehören, in denen von „Gefälligkeiten und Vergütungen“ die Rede sein soll.


Quelle: malagahoy.es