
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Verbale Anweisungen für umstrittene Reisen belegt
Dokumente zeigen interne Abläufe
Die Ermittlungen zu den sogenannten Partei-"cloacas" (Abwasser) des PSOE haben neue konkrete Belege hervorgebracht. Wie aus einem Bericht der Guardia Civil (UCO) hervorgeht, verfügt die Justiz über ein internes Parteidokument, das klare Anweisungen im Umfeld des ehemaligen Organisationssekretärs Santos Cerdán dokumentiert. Demnach gab Cerdán mündliche ("verbale") Direktiven an sein Unterstützungspersonal, Reisekosten für María Leire Díez Castro zu autorisieren und zu bezahlen.
Die Sozialistische Partei übergab das Papier am 27. Mai an die Behörden, um einem richterlichen Beschluss von Santiago Pedraz nachzukommen. An diesem Tag hatte die UCO die Parteizentrale in der Madrider Calle Ferraz durchsucht.
Kommunikation per E-Mail belegt Vorgang
Die These der mündlichen Anweisungen wird durch eine E-Mail-Korrespondenz zwischen Mitarbeitern der PSOE-Organisationsabteilung und der Reiseagentur VB Group gestützt, wie investigative Quellen berichten. In der Mail-Kette fragte die Agentur nach einer Genehmigung "durch die Geschäftsführung", da Leire Díez nicht im autorisierten Personalstamm geführt wurde.
Daraufhin antwortete die PSOE-Mitarbeiterin Covadonga San Pedro Pascual, die Buchung geschehe auf "direkte Anordnung des Organisationssekretärs". Sie bat die Agentur, die Tickets auszustellen, sobald die Genehmigung vorliege, und schrieb: "Mehr weiß ich nicht... Bitte stellen Sie sie aus, sobald Sie die Genehmigung haben." Diese Kommunikation wurde von der Guardia Civil sichergestellt.
Reisen im Zusammenhang mit Villarejo-Affäre
Die Guardia Civil hat fünf Reisen identifiziert, die der PSOE für Leire Díez vollständig finanzierte. Eine dieser Reisen führte sie in Begleitung ihres Lebensgefährten Javier Pérez Dolset durch. Besonders auffällig ist ein bezahlter Hin- und Rückflug von Santander nach Madrid, den die Partei übernahm, damit Díez ein Treffen mit dem ehemaligen Kommissar José Manuel Villarejo führen konnte.
In diesen Treffen, so die Ermittlungserkenntnisse, bot Díez Villarejo an, seinen künftigen gerichtlichen Status durch die Staatsanwaltschaft zu mildern. Im Gegenzug sollte Villarejo sensible Informationen über Ziele der angeblichen PSOE-"cloacas"-Strukturen liefern. In einem von Cerdán verwahrten Dossier notierte Díez zudem, Villarejo besitze Informationen über angebliche "Korruption" beim Obersten Richter Manuel Marchena.
Verantwortung und übliche Verfahren
Das vom PSOE vorgelegte Dokument erläutert die internen Abläufe. Demnach war Santos Cerdán als höchster Verantwortlicher für die Organisationsstruktur befugt, Unterkünfte und Transportmittel anzufordern und zu buchen, ohne hierfür eine weitere Genehmigung einzuholen. Es sei "üblich" gewesen, solche Anfragen "mündlich an sein Unterstützungspersonal" zu kommunizieren.
Die Ermittler sehen in Cerdán die übergeordnete Instanz, die die Operationen der mutmaßlichen Partei-"cloacas" überwachte. Die Rolle der Mitarbeiterin Celia Rodríguez, die in der E-Mail-Kette erwähnt wird und bereits im Fall Koldo als Überbringerin von Geldumschlägen an Koldo García und José Luis Ábalos aussagte, unterstreicht die Vernetzung der Vorgänge innerhalb der Organisationsabteilung.
Die Beweislage zeigt einen systematischen Ablauf, bei dem verbale Direktiven aus der Führungsebene die Grundlage für finanziell und politisch höchst sensitive Aktivitäten bildeten.
Quelle: 20minutos.es