Verano Joven soll dauerhaft werden

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Verano Joven soll dauerhaft werden

von Clara Weber

Ein Sommer voller Rabatte – und voller Kritik

Der spanische Verkehrsminister Óscar Puente hat im Kongress die Möglichkeit ins Spiel gebracht, das Programm „Verano Joven“ dauerhaft zu etablieren. Bislang wird die Aktion, die jungen Menschen zwischen 18 und 30 Jahren vergünstigte Bahn- und Busreisen ermöglicht, jedes Jahr per Eilverordnung verlängert. „Vielleicht ist es an der Zeit, die Debatte zu eröffnen, um aus einer temporären Maßnahme eine endgültige zu machen“, so Puente. Wie die Zeitung 20 Minutos berichtet, wurde das entsprechende Dekret für den kommenden Sommer am Donnerstag im Parlament gebilligt.

Lob und Tadel aus den Reihen der Opposition

Während die grundsätzliche Idee des Rabattprogramms auf breite Zustimmung stößt, hagelte es im Plenum deutliche Kritik an der Umsetzung. Die Sprecherin des PNV, Nerea Renteria, sprach sich dafür aus, das funktionierende Konzept weiterzuentwickeln. Die Volkspartei (PP) und die katalanische Partei Junts warfen der Regierung hingegen vor, eine „propagandistische“ Verordnung vorzulegen, anstatt ein strukturelles Gesetz zu schaffen. Besonders scharf fiel die Kritik von Junts-Sprecher Isidre Gavin aus: Er bemängelte die fehlende Planung und bezeichnete das Vorgehen als „Geringschätzung gegenüber den Fraktionen des Hauses“. Die Abgeordneten forderten zudem mehr Unterstützung für junge Menschen, etwa im Bereich Wohnen oder bei ganzjährigen Hilfsangeboten.

Technische Pannen überschatten die Debatte

Ein zentraler Punkt der Auseinandersetzung waren die anhaltenden technischen Störungen im Schienennetz, insbesondere bei den katalanischen Rodalies. Die Abgeordnete Inés Granollers von der ERC konterte die Ankündigung der Rabatte mit beißender Ironie: „Es ist schön und gut, aber es wäre noch schöner, wenn die Züge das ganze Jahr über funktionieren würden.“ Sie verwies darauf, dass junge Menschen im September nicht wüssten, ob sie pünktlich zum Unterricht kämen, und im Sommer nicht, ob sie ihr Reiseziel erreichten – „zwar mit Rabatt, aber bei 40 Grad und ohne Informationen auf den Anzeigetafeln“. Puente bat die Kritiker um Nachsicht und betonte, die Situation habe sich im Vergleich zum Januar „substanziell verbessert“.

Erfolgszahlen als Argument für die Verstetigung

Trotz der politischen Querelen verteidigte Puente das Programm als Paradebeispiel einer funktionierenden öffentlichen Politik. Die Nutzerzahlen geben ihm recht: Waren es 2023 noch 1,3 Millionen registrierte junge Menschen, die vier Millionen vergünstigte Reisen unternahmen, stieg die Zahl 2024 auf 1,4 Millionen Nutzer und 5,2 Millionen Fahrten. Im vergangenen Jahr verzeichnete das Ministerium bereits 1,5 Millionen Registrierungen und 6,8 Millionen Reisen. Für den diesjährigen Sommer, der am 1. Juli beginnt, hatten sich bis zum 22. Juni bereits 750.000 junge Menschen angemeldet. Puente sieht darin einen wachsenden Trend zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und einen kulturellen Wandel weg vom eigenen Auto.

Ausblick: Vom Notfallprogramm zur festen Größe

Ursprünglich als Reaktion auf die Energiekrise infolge des Ukraine-Krieges ins Leben gerufen, hat sich das „Verano Joven“ nach Ansicht des Ministers von einer Notfallmaßnahme zu einer „sozial nützlichen Politik mit strukturellem Wert“ entwickelt. Er kündigte an, die Möglichkeit einer dauerhaften Verankerung ausloten zu wollen. Ob die Opposition, insbesondere PP und Vox, diesen Weg mitgehen werde, ließ er offen. Vox enthielt sich bei der Abstimmung und bezeichnete die Rabatte als „lächerlich“. Der Kongress stimmte dem Dekret dennoch zu und beschloss einstimmig, es im Eilverfahren als Gesetzesvorlage zu behandeln – ein Schritt, der den Fraktionen die Möglichkeit gibt, Änderungen einzubringen, während die Rabatte bereits in Kraft sind.


Quelle: 20minutos.es