Venezuelas Gold, Spaniens Ex-Präsident

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Venezuelas Gold, Spaniens Ex-Präsident

von Clara Weber

Ein internationales Netz führt nach Madrid

Was mit einer Rettungsaktion für eine spanische Fluggesellschaft begann, hat sich zu einem komplexen internationalen Fall entwickelt, der nun auch einen ehemaligen spanischen Regierungschef in den Fokus rückt. Die Untersuchungen, die zu einer Anklage gegen José Luis Rodríguez Zapatero geführt haben, wurden maßgeblich durch Warnungen aus dem Ausland angestoßen. Wie aus den Ermittlungsakten hervorgeht, wurden Behörden in der Schweiz und in Frankreich im Rahmen von Geldwäscheermittlungen auf ein spanisches Rettungspaket aufmerksam.

Die zentrale Figur in diesem Netzwerk ist laut den Untersuchungsunterlagen der Venezolaner Rodolfo Reyes, der zum Zeitpunkt der Rettung der Fluggesellschaft Plus Ultra mit 56,8 Prozent der größte Anteilseigner war. Ihm wird zugeschrieben, die Kontakte zu hochrangigen spanischen Politikern hergestellt zu haben, um die Gewährung eines staatlichen Kredits in Höhe von 53 Millionen Euro zu fördern.

Das Spiel mit dem Gold aus Caracas

Die ausländischen Ermittler, insbesondere die französische Finanzstaatsanwaltschaft, lieferten entscheidende Hinweise. Sie berichteten von einem illegalen Goldhandel, an dem Reyes beteiligt gewesen sein soll. Konkret ging es um Gespräche über den Transport von fünf bis acht Tonnen Gold – mit einem heutigen Marktwert von über einer Milliarde Euro – von Caracas nach Dubai. Dieser Transport soll im Auftrag der venezolanischen Zentralbank erfolgt sein.

Parallel dazu wird Reyes mit dem Erhalt millionenschwerer Überweisungen aus dem Korruptionsumfeld in Verbindung gebracht, die durch gefälschte Rechnungen verschleiert worden sein sollen. Auch seine Frau geriet ins Visier der Ermittler, nachdem eine ihrer Gesellschaften in Spanien zwei hochpreisige Immobilien im Wert von insgesamt über 11 Millionen Euro erworben hatte.

Die Brückenbauer und die CLAP-Fonds

Eine weitere Schlüsselfigur ist der Anwalt Miguel Palomero. Er agierte laut den Erkenntnissen als Bindeglied zwischen der Fluglinie und Koldo García, dem ehemaligen Berater des Ministers José Luis Ábalos. Palomero unterhielt enge geschäftliche Beziehungen zu den Brüdern Felipe und Enrique Baca, die wiederum in die internationale Geldwäscheaffäre verwickelt sind.

Das eigentliche Kraftzentrum dieser Machenschaften liegt jedoch in Venezuela. Die Gelder, die gewaschen wurden, stammen laut den vorliegenden Dokumenten aus der Korruption rund um die sogenannten CLAP-Fonds (Comités Locales de Abastecimiento y Producción). Diese wurden eigentlich geschaffen, um die notleidende Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln zu versorgen. Ein US-Bundesgericht in Florida führt bereits Ermittlungen zu diesem Korruptionskomplex. Auch der niederländische Finanzier Simon Verhoeven, der über eine Firma in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit dem Verkauf von venezolanischem Gold in Verbindung gebracht wird, soll in die Geldwäsche von CLAP-Geldern verwickelt sein.

Der lange Weg zur Anklage

Die spanischen Behörden waren bereits vor den Warnungen aus Paris und Genf auf einige der Beteiligten aufmerksam geworden. So hatte etwa das FBI Informationen über den Venezolaner Gilberto Morales Reverón, einen Geschäftspartner Palomeros, ausgetauscht. Ihm wird vorgeworfen, in Korruptionsschemen mit den CLAP-Subventionen und dem Goldhandel verstrickt zu sein.

Die nationale Polizei Spaniens bestätigte Ende 2024 in einem Vermerk die aktiven Verbindungen zwischen Morales und Palomero und verwies als Beispiel auf eine Geldüberweisung in Höhe von 110.000 Euro von den Bahamas nach Spanien. Während ein erstes Ermittlungsverfahren in Madrid aus formalen Gründen eingestellt worden war, führten die internationalen Hinweise zu einer Neuaufnahme und schließlich zur beispiellosen Anklage eines ehemaligen Ministerpräsidenten. Die Causa Plus Ultra zeigt, wie lokale Wirtschaftsentscheidungen in globale kriminelle Netze eingebettet sein können.


Quelle: 20minutos.es