
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Valencia ruft zum Generalstreik auf
Ein Aufstand der Mitte
Es ist ein Hilferuf, der wie eine Kampfansage klingt: Sechs Gewerkschaften haben die Bevölkerung der Valencianischen Gemeinschaft aufgerufen, am 11. November das Land lahmzulegen. Ihr Vorwurf ist schwerwiegend – sie werfen den Institutionen vor, die existenziellen Sorgen der Menschen schlicht zu ignorieren. Es gehe nicht um einen symbolischen Akt, sondern um eine notwendige Eskalation, um gegen die Wohnungsnot und den realen Kaufkraftverlust anzukämpfen.
Wenn das Gehalt nur noch für die Miete reicht
Die Lage ist dramatisch, und die Zahlen geben den Protestierenden recht. Laut dem Portal Idealista wurden in Valencia im vergangenen Jahr Rekordmieten verzeichnet. Die Gewerkschaft CCOO berichtet, dass viele Beschäftigte gezwungen sind, bis zu 70 Prozent ihres Einkommens für die Unterkunft auszugeben. „Es kann nicht sein, dass die Arbeiterklasse zwischen Miete und Essen wählen muss“, bringt Èlida Puig von Intersindical Valenciana die Stimmung auf den Punkt. Die Sätze der Gewerkschaftsvertreter am Dienstag vor der Nordstation in Valencia waren eindeutig: Die Spekulation mit Wohnraum müsse enden, und der Traum vom eigenen Heim dürfe nicht länger eine Utopie sein.
Ein Streik gegen die Flexibilität des Arbeitsmarktes
Doch der Aufruf richtet sich nicht nur gegen hohe Mieten. Die Gewerkschaften prangern ein strukturelles Lohnproblem an. „Die kollektiven Verhandlungen sind blockiert“, klagt Tino Calero von UGT-PV. Die Arbeitnehmer hätten Schwierigkeiten, über die Runden zu kommen, während die Inflation die Gehälter weiter entwerte. Es brauche endlich eine Anerkennung der Arbeit – nicht nur auf dem Papier, sondern im Portemonnaie.
Ein Weckruf an die Politik
Der Tenor der Reden vor der Nordstation war eindeutig: Die Geduld ist erschöpft. Die Gewerkschaften werfen den Regierenden vor, die Verfassung zu missachten, die Wohnen als Grundrecht festschreibt. „Statt die spekulative Blase zu platzen, lässt man die Menschen in unzumutbaren Verhältnissen leben“, kritisiert Ana García vom CCOO-PV. Sie fordern zudem einen besseren Schutz der öffentlichen Dienste, die unter dem Druck der Privatisierung zu bröckeln drohen.
Die Gewerkschaften wissen, dass sie für ihren breiten Protest nicht nur auf die Arbeiterklasse zählen können. Deshalb appellieren sie an alle – an Studenten, Rentner und die gesamte Stadtbevölkerung. „Wir wollen das Land anhalten, und die Demonstrationen in Valencia, Castellón, Alicante und Elche massiv unterstützen“, so der Aufruf. Es ist der Versuch, eine breite Front gegen eine Politik zu bilden, die aus Sicht der Demonstranten zu lange auf der Seite der Vermieter und Konzerne gestanden hat.
Wie die Zeitung Levante-EMV berichtet, ist die Sorge vor einem harten Polizeieinsatz groß. Die Gewerkschaft CGT hat bereits ihre Ablehnung gegen die Anwendung des „Ley Mordaza“ (Maulkorbgesetz) ausgesprochen und fordert von der Regierungsdelegation Zurückhaltung. Man habe keine Lust, bei jeder Demonstration wie Staatsfeinde behandelt zu werden.
Der 11. November könnte damit zu einem Stresstest für den sozialen Frieden in Spanien werden – und zu einem Weckruf, der weit über die Valencianische Gemeinschaft hinaushallt. Die Zeichen stehen auf Sturm, und die Regierung täte gut daran, die Signale aus der Bevölkerung nicht länger zu ignorieren.
Quelle: europapress.es