Sumar vor entscheidender Weichenstellung

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Sumar vor entscheidender Weichenstellung

von Jonas Beck

Chronik einer Eskalation

Die Krise im Movimiento Sumar, dem Kern der gleichnamigen linken Wahlallianz, hat einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Das Koordinierungsgremium der Partei hat für den 11. Juli eine außerordentliche Generalversammlung einberufen. Diese Versammlung, die dritte ihrer Art, findet in einer bislang beispiellosen Atmosphäre der Zerrissenheit statt, wie aus Parteikreisen verlautet.

Auslöser der jüngsten Eskalation war der Rücktritt von Laura Moreno von ihrem Amt als Organisationssekretärin. In ihrem Abschiedsschreiben machte sie eine interne Untersuchung gegen die Koordinatorin Lara Hernández öffentlich, die Vorwürfe des Mobbings am Arbeitsplatz betrifft. Das Umfeld von Hernández bestreitet die Vorwürfe und spricht, wie berichtet wird, von einer „Hexenjagd“ durch einen kritischen Flügel, der die Kontrolle über die Partei anstreben wolle.

Offene Machtfrage und personelle Erosion

Die Versammlung am 11. Juli dient der Neuwahl der Parteiorgane. Bis zum 30. Juni können Kandidaturen eingereicht werden, die jedoch erst am 5. Juli öffentlich gemacht werden. Ob sich die amtierende Koordinatorin Lara Hernández erneut zur Wahl stellen wird, ist laut ihren Vertrauten noch unklar. Der kritische Flügel favorisiert hingegen Verónica Martínez Barbero, die parlamentarische Sprecherin der Partei im spanischen Kongress.

Eine Einigung auf eine gemeinsame Liste gilt laut internen Quellen derzeit als unwahrscheinlich, wäre aber nach Ansicht vieler Mitglieder der einzige Weg, die tiefe Spaltung zu überwinden. Die Parteiführung selbst beschreibt die anstehende Versammlung als „wichtig“ und verspricht „Seriosität und Sorgfalt“. Gleichzeitig bat man um Entschuldigung für die öffentlich ausgetragenen Konflikte der vergangenen Tage.

Die strukturellen Probleme Sumars sind jedoch älter und grundlegender. Seit dem Rückzug der Gründerin und stellvertretenden Ministerpräsidentin Yolanda Díaz hat die Partei kontinuierlich an Einfluss innerhalb der Wahlallianz verloren, zu der auch Izquierda Unida (IU), Más Madrid und die Comuns gehören. Die interne Instabilität zeigt sich in einer Serie von Rücktritten: Innerhalb von anderthalb Jahren verließen der Co-Koordinator Carlos Martín, die Nummer drei der Partei und beide Kommunikationssekretäre, Elizabeth Duval und David Comas, ihre Ämter. Letztere haben sich öffentlich kritisch gegenüber Hernández geäußert.

Ungeklärte Vorwürfe und strukturelles Vakuum

Die Untersuchung zu den Mobbingvorwürfen gegen Lara Hernández bleibt ein zentraler Streitpunkt. Ihr nahestehende Kreise behaupten, sie sei nicht einmal offiziell über die Ermittlungen informiert worden, die auf Antrag von sechs hochrangigen Parteimitgliedern eingeleitet worden seien. Diese Untersuchung belastet die ohnehin angespannte Lage vor der Versammlung erheblich.

Hinzu kommt eine ungelöste Führungsfrage auf struktureller Ebene. Gemäß den Statuten muss die Parteiführung von zwei Koordinatoren gemeinsam ausgeübt werden. Der Platz neben Lara Hernández ist jedoch seit dem Rücktritt von Carlos Martín im August 2025 vakant. Auch für diese Vakanz macht Laura Moreno in ihrem Rücktrittsschreiben Hernández verantwortlich. Die anstehende Versammlung muss daher nicht nur über eine personelle, sondern auch über eine strukturelle Neufindung der Partei entscheiden.


Quelle: 20minutos.es

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