
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Streik ohne Gewinner
Streik ohne Gewinner
Wieder einmal streiken die Eisenbahner, wieder einmal bleiben die Züge stehen. 320 Verbindungen streicht Renfe am Montag, vor allem im Nah- und Regionalverkehr. Die Leidtragenden sind nicht die Verantwortlichen in Madrid, sondern die Pendler, die pünktlich zur Arbeit müssen. Der Anlass: Die Gewerkschaft Sindicato Ferroviario (SF) wehrt sich gegen die geplante Ausgliederung der Gütersparte in ein Joint Venture mit Medway, einer Tochter der Reederei MSC. Das mag nachvollziehbar sein – doch die Methode der Wahl trifft die Falschen.
Wie 20minutos berichtet, sollen immerhin in den Hauptverkehrszeiten 75 Prozent der Nahverkehrszüge fahren, außerhalb der Spitzen nur die Hälfte. Bei den Fernverkehrszügen sind es 73 Prozent, bei Regionalzügen sogar nur 65 Prozent. Das klingt nach viel – doch für den Einzelnen, der auf die eine Verbindung angewiesen ist, ist es purer Zufall, ob er mitkommt.
Die Gewerkschaft wirft Renfe vor, mit der Gründung der gemeinsamen Güterverkehrstochter die Beschäftigten zu betrügen. „Abwendung des Güterverkehrs“ nennt es die SF und verweist auf angeblich gebrochene Abkommen von November 2023 und März 2025. Mag sein, dass da etwas dran ist. Aber die Frage, die sich stellt: Ist es wirklich klug, die Fahrgäste als Druckmittel zu missbrauchen? Ein Streiktag wie dieser untergräbt das Vertrauen in die Bahn weiter – und das in einer Zeit, in der wir jeden einzelnen Passagier brauchen, um die Verkehrswende zu schaffen.
Hinzu kommt: Die SF ist eine Minderheitsgewerkschaft. Sie vertritt nicht die Mehrheit der Renfe-Beschäftigten, geschweige denn die Fahrgäste. Dennoch diktiert sie mit ihrem Ausstand den Takt. Die Politik schaut zu. Der Staat als Eigentümer lässt seine Belegschaft gegeneinander ausspielen: Hier die Lokführer und Zugbegleiter, dort die Güterverkehrsmitarbeiter, dazwischen die Reisenden.
Das wahre Problem liegt tiefer. Renfe leidet unter einer strukturellen Schieflage: Der Personenverkehr soll wachsen, der Güterverkehr wird vernachlässigt – und die Beschäftigten fürchten um ihre Arbeitsplätze. Statt aber gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wird gestreikt, werden Züge gestrichen, werden Fahrgäste verprellt. Das ist kein Streik für die Zukunft der Bahn. Das ist ein Streik gegen die Vernunft.
Quelle: 20minutos
Quelle: 20minutos.es