
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Staatshilfen und Verdacht auf Geldwäsche
Chronologie der Zahlungen nach Rettungsbeschluss
Nach der Zustimmung des spanischen Ministerrates am 9. März 2021 flossen der insolventen Fluggesellschaft Plus Ultra erste Gelder aus einem Rettungspaket der staatlichen SEPI zu. Neun Tage später, am 18. März, erhielt das Unternehmen 19 Millionen Euro, den ersten Teil eines insgesamt 53 Millionen Euro umfassenden Darlehens. Laut den Akten der Ermittlungsbehörden, die dieser Redaktion vorliegen, begann das Unternehmen noch am selben Tag, Geld an ausländische Firmen weiterzuleiten. Bis zur Auszahlung der zweiten Tranche am 10. August 2021 summierte sich der abfließende Betrag auf fast 16 Millionen Euro.
Justiz sieht „transnationale kriminelle Organisation“
Die zuständige Ermittlungsrichter José Luis Calama von der Audiencia Nacional in Madrid übernahm das Verfahren und kam zu einer schwerwiegenden Einschätzung. In einem schriftlichen Beschluss bezeichnete er das Empfängernetzwerk als „eine Organisation, die der Geldwäsche gewidmet ist“ und aus verschiedenen „transnationalen“ Instrumentalfirmen bestehe. Seine These: Es handle sich um eine „stabil strukturierte kriminelle Organisation mit Arbeitsteilung“, deren Hauptzweck die Reinigung von Geldern aus illegalen Aktivitäten im In- und Ausland sei. Die Planung dieser Vorgänge habe bereits im März 2020 begonnen.
Warnung aus der Schweiz und Verbindung zum Goldhandel
Eine konkrete Spur führte die Ermittler zur Schweizer Firma Allpa Wira Trading AG. Wie aus dem Verfahrensstand hervorgeht, überwies Plus Ultra am 8. April 2021, knapp einen Monat nach der ersten Rettungszahlung, 519.983,01 US-Dollar an ein Konto dieser Gesellschaft. Der Verwendungszweck lautete auf „Rückzahlung eines Brückenkredits“. Die Staatsanwaltschaft Genf hatte ihre spanischen Kollegen bereits 2024 auf die Geschäftsbeziehung zwischen Plus Ultra und dieser Firma hingewiesen, die im Zusammenhang mit mutmaßlichem Goldschmuggel stehe. Eigentümer der Firma ist der Unternehmer Simon Verhoeven, der selbst wegen Geldwäscheverdachts untersucht wird.
Die Schweizer Behörden baten um eine Durchsuchung von Verhoevens Wohnsitz auf Mallorca. Nach ihren Erkenntnissen, die auch in die spanische Akte eingingen, wurden von dessen Konten zwischen März und Juli 2021 verdächtige Abflüsse unter Bezeichnungen wie „Beratungsleistungen“ oder „Stahleinkäufe“ getätigt. Die Konten dienten demnach vermutlich dazu, illegale Gelder aufzunehmen und Operationen im Bereich des Gold- und Metallhandels zu verschleiern.
Rolle als „Pseudobank“ und politische Vorwürfe
Weitere Informationen lieferte die französische Staatsanwaltschaft. Demnach investierte das kriminelle Netzwerk große Summen aus verschiedenen illegalen Quellen in Börsengeschäfte, um das Geld anschließend gereinigt an die Kunden der Täter zurückzuzahlen. Richter Calama beschrieb diese Funktion als die eines „Pseudobanks“.
Das Ermittlungsverfahren, das bis März 2026 beim Madrider Untersuchungsgericht Nummer 15 geführt wurde, hat auch eine politische Dimension. Der Richter des Zentralen Ermittlungsgerichts Nummer 4 untersucht parallel einen mutmaßlichen Fall von Vorteilsbeschaffung. Der Vorwurf lautet, der ehemalige Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero habe sich für die Rettungsmilliarden der SEPI zugunsten von Plus Ultra eingesetzt. Die gerichtliche These ist, dass dieses Geld anschließend zur Geldwäsche in dem internationalen Netzwerk verwendet wurde, vor dem Genf gewarnt hatte.
Quelle: 20minutos.es