Spätfröste im Mai: Arktische Kälte trifft auf meteorologische Folklore

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Spätfröste im Mai: Arktische Kälte trifft auf meteorologische Folklore

von Redaktion

Ein arktischer Impuls zum Frühlingsende

Die meteorologische Frühjahrssaison in Spanien, definiert als die Monate März bis Mai, neigt sich ihrem Ende zu. Doch statt milder Temperaturen kündigt die Staatliche Wetteragentur (AEMET) einen markanten Kaltlufteinbruch an. Verantwortlich ist eine Luftmasse, die ihren Ursprung in der Nähe der Grönlandsee hat und ab Donnerstag auf die Iberische Halbinsel vordringt. Der spürbare Temperatursturz wird für Freitag erwartet und bringt Niederschläge sowie Schneefall bis in ungewöhnlich niedrige Lagen mit sich.

Die zeitliche Koinzidenz dieses Ereignisses mit einer bekannten Bauernregel ist auffällig. Wie der Meteorologe Gabriel Bernabé García von Meteored erläutert, fällt die Kältewelle mit den Tagen der sogenannten "Santos del Hielo" (Eisheiligen) zusammen. Diese historisch überlieferte Wetterperiode um die Gedenktage von San Mamerto bis Santa Sofía ist traditionell mit einem letzten späten Kaltluftvorstoß im Frühling verbunden – eine Faustregel, die sich in diesem Jahr offenbar erfüllt.

Warnstufen und präzise Prognosen

Die AEMET hat bereits konkrete Warnungen ausgesprochen. Für Donnerstag gilt in Katalonien, Navarra, dem Baskenland und Kantabrien gelbe Warnung vor Regenfällen. In Kantabrien und Asturien kommt eine Warnung vor starkem Seegang hinzu. Die prognostizierten Niederschlagsmengen sind präzise: Bis zu 40 Liter pro Quadratmeter binnen zwölf Stunden werden für Teile Nordspaniens erwartet, in Katalonien lokal bis zu 20 Liter in einer Stunde.

Der Freitag wird laut Rubén del Campo, Sprecher der AEMET, durch eine Front geprägt, die von Nordwest nach Südost zieht. Dahinter strömt deutlich kältere Luft ein, besonders in den östlichen Landesteilen. Die Schneefallgrenze sinkt dabei auf etwa 1.300 Meter – ein für Ende Mai bemerkenswert niedriger Wert. In der Folge hat die AEMET für Katalonien und Kastilien und León gelbe Warnungen vor Schneefällen (bis zu 5 cm in 24 Stunden) sowie für weitere Regionen an der Nordküste und in Andalusien Warnungen vor Regen, starkem Wind und hohem Wellengang aktiviert.

Temperaturen im Ausnahmezustand

Die thermischen Auswirkungen sind drastisch. Während Murcia am Freitag noch etwa 30 Grad Celsius erreichen kann, zeigen die Prognosen für Städte im Norden und Zentrum Werte, die eher dem Winter zuzuordnen sind. Pamplona wird eine Höchsttemperatur von nur 12 Grad vorhergesagt. Die Hauptstadt Madrid, die am Freitag das Fest des Stadtheiligen San Isidro begeht, muss mit maximal 17 Grad rechnen. Barcelona erreicht voraussichtlich 21 Grad.

Der Samstag bringt eine gewisse atmosphärische Beruhigung, aber weiterhin ungewöhnliche Kälte. Nach Angaben des AEMET-Sprechers Del Campo sind in Zentralspanien und in Gebirgsregionen morgendliche Frosttemperaturen wahrscheinlich. Ávila könnte bei 1 Grad, Palencia bei 2 Grad starten. Auch andere Städte im Norden und Zentrum erwarten Tiefstwerte um 5 Grad.

Rückkehr zu frühlingshaften Verhältnissen

Erst am Sonntag setzt eine spürbare Milderung ein. Die Frostgefahr beschränkt sich dann auf die Pyrenäen. Zwar bleibt es für die Jahreszeit in vielen Gebieten kühl, jedoch werden im Ebro-Tal, in Zentrum- und Südspanien wieder über 20 Grad erreicht. Im Guadalquivir-Tal und im Südosten können die Temperaturen sogar bis 25 Grad klettern. Gleichzeitig halten sich Niederschläge weiterhin in Teilen Nord- und Ostspaniens.