
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Sprachrohr korrigiert Millionenwert bei Zapateros Juwelen
Eine spektakuläre Korrektur hat die Debatte um den früheren spanischen Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero neu entfacht. Sein autorisierter Sprecher Luis Arroyo hat sich öffentlich entschuldigt, nachdem er den Wert von Juwelen, die bei Zapatero gefunden wurden, massiv unterschätzt hatte. Wie Arroyo auf Twitter mitteilte, bat er "um Verzeihung in meinem eigenen Namen, weil ich über den Wert der Juwelen des Präsidenten Zapatero irreführende Angaben gemacht habe".
Vom "Erbe" zur Millionenschätzung
Die Schmuckstücke waren bei einer polizeilichen Durchsuchung in Zapateros Büro am 19. Mai sichergestellt worden. Arroyo hatte gegenüber Medien zunächst erklärt, es handele sich um ein "Erbe" und "Geschenke" aus den Familien von Zapatero und seiner Frau Sónsoles Espinosa. Ihr Wert, so seine damalige Einschätzung, liege "zwischen 30.000 und 50.000 Euro".
Diese Angabe erwies sich als grob falsch. Auf Anweisung des Ermittlungsrichters José Luis Calama von der Audiencia Nacional wurde der Wert durch das traditionsreiche Madrider Juwelierhaus Ansorena, unter Mitwirkung des Spanischen Gemmologischen Instituts, offiziell schätzen lassen. Das Ergebnis: 1,3 Millionen Euro. Damit liegt der tatsächliche Wert etwa 40-mal höher als von Arroyos ursprünglicher Schätzung.
Politisches Echo: Vorwürfe und Erklärungsnot
Die enorme Diskrepanz lieferte der politischen Opposition sofort Munition. Die Parlamentssprecherin der konservativen Volkspartei (PP), Ester Muñoz, zog scharfe Schlüsse: "Das zeigt ganz klar, dass er lügt, und nur wer etwas zu verbergen hat, lügt", erklärte sie. Sie sah in der Wertkorrektur einen Beleg dafür, dass Zapatero etwas verberge.
Aus den Reihen der regierenden Sozialisten (PSOE) hieß es dagegen, man vertraue darauf, dass der Ex-Präsident den Ursprung der Juwelen gegenüber dem Richter erklären könne. Intern seien keine Maßnahmen gegen Zapatero geplant. Er soll am 17. und 18. Juni vor Richter Calama aussagen, der ihn im Zusammenhang mit dem sogenannten "Plus Ultra"-Fall wegen des Verdachts auf Vorteilsannahme vernimmt.
Der Generalsekretär der rechtspopulistischen Vox-Fraktion im Kongress, José María Figaredo, nutzte die Gelegenheit für eine Generalabrechnung. Er bezeichnete die Juwelen als "maximalen Raub" des PSOE und der Regierung und warf der Exekutive vor, "Diebe" und eine "Mafia" zu sein.
Zapatero soll selbst Rede und Antwort stehen
In seiner Entschuldigung verwies Sprecher Arroyo bereits darauf, dass Zapatero selbst die nötigen Erklärungen vor Gericht abgeben werde. "Er wird dem Richter auch darüber Auskunft geben. Ich versuche stets, ehrlich und wahrheitsgemäß zu informieren. Ich kann mir Kommunikation nicht anders vorstellen", schrieb Arroyo.
Die Hintergründe, wie ein ehemaliger Regierungschef in den Besitz von Schmuck im Wert von über einer Million Euro kam, bleiben damit vorerst unklar. Die kommende Zeugenaussage Zapateros vor dem Nationalgericht wird mit Spannung erwartet, um die Herkunft der wertvollen Stücke zu klären. Die offizielle Schätzung der Madrider Juweliere hat jedenfalls eine politische Debatte ausgelöst, die die Glaubwürdigkeit des Ex-Präsidenten direkt infrage stellt.
Quelle: 20minutos.es