Spanischer Pfandplan: Verbraucher favorisieren digitale Rückgabe

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Spanischer Pfandplan: Verbraucher favorisieren digitale Rückgabe

von Jonas Beck

Systemwechsel ab 2029

Spanien steht vor der Einführung eines landesweiten Pfandsystems für Einweg-Getränkeverpackungen. Spätestens im Januar 2029 müssen Verbraucher auf Plastikflaschen, Dosen und Getränkekartons (ausgenommen Wein und Säfte) einen Aufpreis zahlen, den sie bei Rückgabe erstattet bekommen. Eine aktuelle Studie der spanischen Verbraucherkooperative Hispacoop untersucht erstmals im Detail, wie sich die Bevölkerung auf dieses Modell einstellt.

Die Erhebung basiert auf 1.600 computergestützten Telefoninterviews, die zwischen dem 9. und 26. Mai durchgeführt wurden. Die Stichprobe ist nach Geschlecht, Altersgruppe und Autonomer Gemeinschaft proportional verteilt und repräsentiert die volljährige Bevölkerung.

Bekanntheit und Akzeptanz

Nach Angaben der Hispacoop ist das Konzept des Pfandsystems in der breiten Öffentlichkeit noch nicht tief verankert. Unter denjenigen, die es kennen oder denen es während der Befragung erläutert wurde, stimmen jedoch 71 Prozent zu. Ablehnung äußern 16 Prozent – überdurchschnittlich häufig Männer und ältere Menschen.

Die Motivation zur Teilnahme teilt sich in zwei Hauptstränge: 43 Prozent der Befragten nennen ökologische Gründe als ausschlaggebend, 38 Prozent verweisen auf den finanziellen Anreiz. Der ökologische Beweggrund gewinnt mit steigendem Alter an Bedeutung, während der wirtschaftliche Aspekt bei jüngeren Konsumenten dominiert. Für nur fünf Prozent spielt bürgerschaftliches Engagement eine Rolle, ein Prozent gibt gesetzlichen Gehorsam als Grund an.

Markentreue unter Druck

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung betrifft das Kaufverhalten unter den neuen Bedingungen. 26 Prozent der Befragten würden ihre Einkaufsgewohnheiten so ändern, dass sie auf pfandfreie Verpackungen ausweichen. Allerdings variiert die Bereitschaft zur Markentreue stark nach Getränkesorte: Am wenigsten loyal sind Konsumenten von Bier. 30 Prozent der Biertrinker (entspricht 18 Prozent der Gesamtbevölkerung) würden zu einer anderen Marke greifen, um das Pfand zu umgehen. Bei abgefülltem Wasser liegt dieser Anteil bei 20 Prozent. Die höchste Bindung zeigen Erfrischungsgetränke: Nur 13 Prozent der Käufer (neun Prozent der Bevölkerung) würden die Marke wechseln.

Die Umfrage zeigt zudem, dass die Gesamtnachfrage stabil bleibt. 76 Prozent der Befragten würden gleich viele Großgebinde (über drei Liter) kaufen, 71 Prozent gleich viele Glasflaschen und 79 Prozent gleich viele Getränkekartons wie bisher.

Höherer Pfandbetrag steigert Rücklaufquote

Die Hispacoop-Studie modelliert auch den Zusammenhang zwischen Pfandhöhe und Rückgabeverhalten. Derzeit wird allgemein von einem Aufschlag von zehn Cent pro Verpackung ausgegangen. Die Daten belegen: Mit jedem Anstieg des Pfands um fünf Cent erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verbraucher alle seine Verpackungen zurückbringt, um acht Prozent. Konkret würden 68 Prozent der Befragten alle Verpackungen retournieren, wenn der Pfand zehn Cent beträgt. Bei 15 Cent steigt der Wert auf 73 Prozent, bei 20 Cent auf 79 Prozent.

Hispacoop folgert daraus, dass die wirtschaftliche Ausgestaltung des Systems direkt das Verhalten der Nutzer beeinflusst. Rund 20 Prozent der Befragten haben noch keine Meinung zur Staffelung des Pfands nach Verpackungsgröße oder -material. Von den übrigen befürworten 38 Prozent eine Staffelung nach Größe, 31 Prozent nach Material und 31 Prozent nach beiden Kriterien.

Rückgabeorte und Erstattungswege

Die Präferenz für die Standorte der Rückgabeautomaten ist eindeutig: 87 Prozent der Befragten wünschen sich die Geräte in Supermärkten, ebenso viele in Nahversorgungsgeschäften. Andere Orte wie Einkaufszentren und Parkplätze (53 Prozent), Tankstellen (41 Prozent), öffentliche Plätze (33 Prozent), Gastronomiebetriebe (26 Prozent) oder Freizeiteinrichtungen (16 Prozent) werden deutlich seltener genannt.

Bei der Erstattungsmethode zeichnet sich eine klare Bevorzugung digitaler Wege ab: Die Mehrheit möchte den Pfandbetrag per Bizum (der spanischen Echtzeit-Überweisungs-App) oder als Einkaufsgutschein (Ticket) zurückerhalten. Dies entspricht dem Trend zu bargeldlosen und schnellen Transaktionen, den die Studie als entscheidend für die Akzeptanz des Systems identifiziert.

Quelle: Hispacoop – Estudio sobre el Sistema de Depósito, Devolución y Retorno (2025)


Quelle: 20minutos.es