Spanien ächzt unter zweiter Glutwelle

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Sevilla

Spanien ächzt unter zweiter Glutwelle

von Sabine Keller

Von wegen „normaler Sommer“

Spanien bereitet sich auf den nächsten Hitzeschlag vor. Während viele Bürger die glorreichen Tage im Schatten oder am Strand verbringen, schlägt die Wetterbehörde Aemet Alarm: Ein neuer Hitzeschwall rollt auf das Land zu. Ab Samstag steigen die Temperaturen rapide an, und die Prognosen lassen wenig Raum für Hoffnung auf milde Tage. Es droht die zweite offizielle Hitzewelle dieses Sommers. Dies ist keine Übertreibung aus sensiblen Medien – es ist die düstere Realität eines Klimas, das immer extremer reagiert.

Das Thermometer als Feindbild

Die spanische Wetterbehörde Aemet präzisiert: Bis Mitte nächster Woche herrscht eine „blockierte Wetterlage“, die heiße Luftmassen aus Nordafrika direkt nach Iberien pumpt. Ein Tiefdruckgebiet bei den Kanarischen Inseln und ein Hoch über dem Festland wirken wie ein Brennglas. Die 40-Grad-Marke ist im Süden bereits Routine, doch nun erreicht das Quecksilber sogar die Flusstäler von Tajo, Guadiana und Guadalquivir. Am heißesten wird es vermutlich am Dienstag. Dann könnten in Cordoba und Umgebung laut Aemet bis zu 44 Grad gemessen werden – eine Marke, die selbst für iberische Verhältnisse eine massive Belastungsprobe darstellt. In Sevilla, Jaén und Cádiz kühlen die Nächte nicht unter 25 Grad ab. Mediziner sprechen hier von „tropischen Nächten“, die für den Kreislauf eine Qual sind.

Vom Festland bis zu den Inseln

Es trifft nicht nur das Kernland. Selbst die Kanaren entkommen dem Brennofen nicht: Für Lanzarote, Fuerteventura und Gran Canaria prognostiziert die Aemet über 38 Grad am Tag. In den Höhenlagen Gran Canarias sinken die Nachttemperaturen lokal nicht unter 30 Grad. Ein Albtraum für die Bewohner, die auf normalerweise mildere Passatwinde vertrauen. Besonders perfide: Im Norden der Halbinsel, etwa in Galizien, klettert das Thermometer auf über 35 Grad. Ourense drohen 40 Grad. Die feuchte Kühle des Atlantiks ist außer Gefecht gesetzt. Zudem warnt der Zivilschutz vor einem massiv erhöhten Waldbrandrisiko. Trockene Hitze, Gewitter mit wenig Regen und Stürme – ein perfekter Zündfunke.

Wer schützt die Schwachen?

Die Aemet unterstreicht, dass die Gefahr für Risikogruppen wie Ältere und Herzkranke erheblich ist. Wer denkt, ein Sommerspaziergang um 14 Uhr sei harmlos, irrt gewaltig. Die Behörde rät zu leichter Kleidung, viel Wasser und gänzlichem Verzicht auf Sport in der Mittagshitze. So weit, so bekannt – doch die Frage bleibt: Wie viele Hitzetote muss es noch geben, bis diese Warnungen nicht mehr als „übliche Sommerwelle“ abgetan werden? Denn die Bilanz der letzten Jahre zeigt, dass sich diese Muster wiederholen – und verschärfen. Eine Hitzewelle ist kein Naturphänomen mehr, das uns überrascht. Sie ist zur Regel geworden. Und die Politik ist immer noch einen Schritt zu langsam.

Quelle: Aemet (Staatliche Wetteragentur) und Generaldirektion für Zivilschutz, berichtet über 20minutos.es


Quelle: 20minutos.es