
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Die „vía andaluza“ – ein geschicktes Narrativ
Der Applaus der eigenen Reihen
Am vergangenen Donnerstag ließ sich Juanma Moreno im Palacio de San Telmo zum dritten Mal in Folge als Präsident der andalusischen Regionalregierung vereidigen. Die Zeremonie war ein Lehrstück in politischer Selbstinszenierung: 300 geladene Gäste, darunter der ehemalige Ministerpräsident Mariano Rajoy, die frühere sozialistische Präsidentin Susana Díaz und die halbe Prominenz des Landes. Moreno nutzte die Bühne für eine Rede, die wie ein Manifest der Unaufgeregtheit klang – und genau das ist das Problem.
Die Mär vom alleinigen Erfolgsrezept
Moreno erklärte, die „vía andaluza“ bleibe „in Kraft“ – jener angebliche Sonderweg aus Dialog, Serenität und moderater Kompromissbereitschaft, den er seit 2019 predigt. Die Zahlen, die er anführte, sind auf den ersten Blick eindrucksvoll: Rekorde bei Exporten, Investitionen und Beschäftigung. Doch sie verschweigen, dass Andalusien trotz dieser Kennziffern weiterhin die Region mit der höchsten Arbeitslosigkeit in Spanien ist. Die Wachstumsraten basieren zu großen Teilen auf subventionierten Niedriglohnsektoren und einer Abhängigkeit von Billigtourismus, die kaum nachhaltige Entwicklung schafft. Wie die Nachrichtenplattform AxarquiaPlus berichtet, betonte Moreno vor allem die „Stabilität“ seiner Regierung, als ob politische Ruhe per se schon Wohlstand bedeute.
Die Rhetorik der Inklusion
Besonders perfide ist der Satz: „In dieser Andalusien passen alle hinein.“ Denn während Moreno die Einheit beschwört, regiert er faktisch mit den Stimmen einer Koalition, die auf die Unterstützung der rechtspopulistischen Vox angewiesen ist. Die „Inklusivität“ seiner Politik ist eine Fassade. Die wirklichen Konflikte – die unzureichende Finanzierung der Gesundheitsversorgung, die prekäre Lage in den ländlichen Gebieten, die Verdrängung einheimischer Familien durch Spekulation – werden mit Floskeln übertüncht. Der Applaus, den er erntete, kam von denjenigen, die von dieser Politik profitieren, nicht von den Millionen, die am Rande des Wohlstands leben.
Fazit: Ein geschickter Bluff
Moreno mag sich selbst als Anti-Madrid-Wunder verkaufen, als exceptionelle Figur in einem von Konfrontation zerrissenen Spanien. Doch seine „vía andaluza“ ist kein Reformprogramm, sondern ein rhetorisches Wohlfühlpaket. Es verdeckt die strukturellen Defizite einer Region, die dringend ehrliche Debatten braucht – und nicht die ständige Beschwörung der eigenen Größe. Die Stabilität, die er preist, ist die Stabilität des Status quo. Und die ist, das sollte man nicht vergessen, der Feind jeder echten Veränderung.
Quelle: axarquiaplus.es