Spanien entschädigt Urda-Opfer mit Millionendeal

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Spanien entschädigt Urda-Opfer mit Millionendeal

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Staat, der (endlich) handelt?

Wer gedacht hat, nach der Katastrophe von Urda folge nur Schulterzucken und Aktenstaub, der sieht sich getäuscht. Die spanische Regierung will offenbar Nägel mit Köpfen machen: Schon am kommenden Dienstag soll der Ministerrat ein königliches Dekret verabschieden, das den Opfern des schweren Bahnunglücks schnelle und unbürokratische Hilfe zusichert. Parallel dazu kündigt Verkehrsminister Óscar Puente an, einen detaillierten Untersuchungsbericht vorzulegen. Doch ist das wirklich der große Wurf oder nur der Versuch, ein politisches Pulverfass zu entschärfen?

Die Rechnung, die Spanien jetzt begleichen muss

Die Zahlen, die aus Regierungskreisen durchsickern, haben es in sich. Wer bei dem Unglück einen Angehörigen verloren hat, soll nicht leer ausgehen. Die Rede ist von einer Summe, die sich sehen lassen kann: 72.000 Euro als direkte Soforthilfe, weitere 72.000 Euro als Vorschuss auf die Versicherungsleistung – beides steuerfrei. Zusammen mit der gesetzlichen Haftpflichtversicherung summiert sich das auf stolze 210.000 Euro pro Todesfall. Das klingt zunächst großzügig. Doch wer genauer hinsieht, erinnert sich an den Präzedenzfall von Adamuz in Córdoba. Dort wurde nach einem ähnlichen Unglück ein Topf von 20 Millionen Euro aufgemacht, um die wirtschaftlichen Folgen für die Betroffenen abzufedern. Die Skala der Entschädigungen für Verletzte reichte damals von mageren 2.400 Euro bei leichten Blessuren bis zu über 84.000 Euro für Schwerstverletzte.

Das ist der Punkt, an dem die Kritik laut wird. Sind das wirklich Wiedergutmachungen oder doch nur Trostpflaster? Während Minister Puente am Dienstag nicht nur im Kabinett, sondern auch im Kongress vor der Diputación Permanente Rede und Antwort stehen muss, wirkt die Choreografie der Ankündigungen wie ein gut geöltes PR-Rad. Erst das Hilfspaket, dann der Bericht, dann die öffentliche Selbstgeißelung? Vielleicht sollte man sich fragen, warum es immer erst einer Tragödie bedarf, damit der Staatsapparat in die Gänge kommt.

Der Bericht, auf den alle warten

Die eigentliche Sprengkraft liegt jedoch nicht im Geld, sondern in der Aufarbeitung. Puente wird nicht nur das Dekret verkünden, sondern auch einen Bericht vorlegen, der die Ursachen des Desasters erklären soll. Die Erwartungshaltung ist enorm, der Zweifel ebenso. Wird der Minister die Verantwortung klar benennen? Oder wird er sich in technischen Floskeln und bürokratischen Wendungen verlieren? Die Opposition wird jedes Wort auf die Goldwaage legen. Eines ist sicher: Der Druck auf Puente ist immens. Er muss liefern – nicht nur Zahlen, sondern auch Antworten. Andernfalls könnte aus dem Rettungspaket schnell ein Bumerang werden, der auf die Regierung zurückfällt.

Die nächsten Tage werden zeigen, ob dies der Anfang einer neuen Fehlerkultur ist oder nur der nächste Akt in einem Trauerspiel, das Spanien nur zu gut kennt. Die Opfer von Urda haben mehr verdient als versprochene Schecks.

Wie Europa Press berichtet, bestätigen Quellen aus dem Präsidialamt die Pläne für die Sondersitzung und das Hilfspaket.


Quelle: europapress.es

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