
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Spanien bricht alle Rekorde bei Aufenthaltstiteln
Die Blockade der bürokratischen Realität
Die spanische Regierung hat im Jahr 2025 fast 1,6 Millionen Aufenthaltstitel gewährt, also mehr als je zuvor seit Beginn der detaillierten Aufzeichnungen im Jahr 2014. Das klingt erstmal nach einer großartigen Geschichte von Integrationswillen und Großzügigkeit. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Diese Zahl ist nichts anderes als ein Ausdruck des Kontrollverlusts. Es sind nicht etwa nur Neuankömmlinge, die hier willkommen geheißen werden – die Hälfte der Dokumente sind lediglich Verlängerungen, Änderungen oder formale Korrekturen alter Papiere. Das ist Bürokratie, nicht Einwanderungspolitik. Wie das Ministerium für Migration selbst eingesteht, kann ein und dieselbe Person im Laufe des Jahres mehrere Dokumente erhalten. Wenn man diese statistischen Luftnummern also ernst nimmt, wird ein grundlegendes Problem sichtbar: Die Zahlen sind aufgebläht, genauso wie das Einwanderungssystem selbst.
Auf den zweiten Blick: Die wahren Gewinner
Doch selbst wenn man diese Verzerrung ausklammert, bleibt ein krasser Trend. Die drei Hauptnationalitäten – Ukraine (244.579), Venezuela (224.341) und Marokko (187.790) – stehlen die Show. Sie machen 42 Prozent aller erteilten Papiere aus. Das sind keine Touristen auf Durchreise, das sind Menschen, die in Spanien bleiben – und oft mit temporärem Schutz oder außergewöhnlichen Umständen. Ein Paradebeispiel: Die Briten. Ihre Zahl an Aufenthaltstiteln hat sich mehr als verdoppelt, von 26.325 auf 57.396. Warum? Weil fünf Jahre nach dem Brexit endlich die vorläufigen TIE-Karten durch dauerhafte ersetzt wurden – ein bürokratisches Versehen, das die Statistik explodieren ließ. Kann man das ernst nennen?
Katalonien und Valencia: Die neuen Magneten
Blickt man auf die Regionen, zeigt sich eine erschreckende Konzentration: Katalonien, Valencia, Madrid und Andalusien schlucken fast sieben von zehn aller Aufenthaltstitel. In Valencia stiegen die Zahlen um sensationelle 23,5 Prozent. Man stelle sich die Infrastruktur vor: Krankenhäuser, Schulen, Sozialwohnungen. Die Zahlen sind kein Ausdruck von kultureller Bereicherung, sondern von praktischer Überforderung. Wer in diesen Regionen lebt und wartet – auf einen Arzttermin, einen Kitaplatz, eine Wohnung –, der darf sich fragen, ob die Regierung mit ihrer großzügigen Vergabepraxis nicht vor allem eines tut: die eigene Bevölkerung vergessen.
Die Stunde der Wahrheit: Die Regularisierungswelle
Und dann kommt der eigentliche Hammer: die sogenannte „außerordentliche Regularisierung“ der Regierung im Jahr 2025. Sie verlangt von Antragstellern im Grunde nichts außer einem Nachweis von fünf Monaten ununterbrochenem Aufenthalt im Land. Vor diesem Januar musste man eingereist sein, und schon hat man quasi ein Anrecht auf Papiere. Knapp 1,2 Millionen Anträge sind dafür eingegangen. Die Bearbeitung läuft noch. Das ist keine Einwanderungspolitik mehr, das ist eine Einladung. Eine Einladung an alle, die es schaffen, das Mittelmeer zu überqueren oder die Grenzen zu umgehen, sich sang- und klanglos in Spanien niederzulassen und dann auf staatliche Legalisierung zu hoffen.
Die Regierung, angeführt von Elma Saiz, feiert das als humanitären Akt. Ich nenne es eine Bankrotterklärung. Wer die Kontrolle über die eigenen Grenzen verliert und dann solche Massenregularisierungen durchdrückt, der sollte nicht über Integration sprechen, sondern über Kapitulation.
Quelle: 20minutos.es, basierend auf Daten des Observatorio Permanente de la Inmigración (OPI) und des Ministeriums für Inklusion, Sozialversicherung und Migration.
Quelle: 20minutos.es