
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Sicherer Kerosin-Sommer, aber anhaltende Preisrisiken
Sommerflugverkehr vorerst abgesichert
Die gute Nachricht zuerst: Für den bevorstehenden Sommerflugverkehr sieht die spanische Regierung die Kerosin-Versorgung als gesichert an. Wie auf einem Pressegespräch in Madrid verlautete, verfügt das Land über strategische Reserven, die einem Verbrauch von etwa 90 Tagen entsprechen. Dies würde rechnerisch bis in den September hineinreichen. "Selbst im theoretischen Extremfall einer sofortigen Grenzschließung könnten wir diesen Sommer normal überstehen", sagte Energiestaatssekretär Joan Groizard.
Die andere Gewissheit: Anhaltende Wirtschaftsfolgen
Doch der Tenor der Aussagen war nicht ausschließlich beruhigend. Groizard mahnte, dass unabhängig von der direkten Versorgungslage mit der anhaltenden wirtschaftlichen Krise durch den Konflikt im Iran gerechnet werden müsse. "Wir wissen mit Sicherheit, dass sie weitergehen wird und wir Preiskrisen ausgesetzt sind", so der Staatssekretär. Selbst bei einem unvermittelten Ende der Kampfhandlungen würden die Schäden an Infrastruktur und gestörte Handelsströme die wirtschaftlichen Auswirkungen verlängern. Die Europäische Kommission hatte die volkswirtschaftlichen Kosten der Krise vergangene Woche bereits auf 30 Milliarden Euro beziffert.
Spaniens strukturelle Vorteile
Laut Groizard befindet sich Spanien im Vergleich zu anderen EU-Staaten in einer vorteilhafteren Position. Grund seien die vielfältigen Bezugsquellen für Öl und Gas sowie die geringe Abhängigkeit von Lieferungen, die durch die strategisch sensible Straße von Hormus verlaufen. Zudem verfüge das Land über eine hohe Zahl an Regasifizierungsanlagen und Raffinerien, die für die Verarbeitung unterschiedlicher Rohölsorten ausgelegt sind. Das Ministerium stehe in ständigem Kontakt mit Importeuren und Verteilerfirmen, und die bestehenden Lieferverträge würden eingehalten, berichtete Groizard.
Europäische Solidarität – mit Vorbehalt
Die Debatte über eine mögliche gemeinsame Nutzung der Kerosinreserven in der EU ist bereits eröffnet. Groizard sicherte dabei die Solidarität Spaniens zu, stellte jedoch eine klare Bedingung: Jede Maßnahme müsse "unter der Prämisse stehen, zuerst die eigene Versorgung zu garantieren". Die Priorität liegt damit klar auf der Aufrechterhaltung des eigenen Luftverkehrs, einem kritischen Faktor für die spanische Tourismuswirtschaft.