Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Schulhof-Sanierung: Lob für eine Selbstverständlichkeit?
Es ist ein Bild, das man bundesweit kennt: Politiker im harten Kontrast zum Baustellenlook, die mit ernster Miene und Maßband bewaffnet vor einem Gerippe aus Beton und Schalungsresten posieren. Diesmal ist die Bühne das CEIP Juan Herrera Alcausa in Vélez-Málaga. Das Ergebnis der Inspektion durch Stadtrat Jesús María Claros (Gebäudemanagement) und Schuldezernentin Lourdes Piña: Die Sanierung der Sportplatz-Tribünen und Zuwege schreitet planmäßig voran. Kostenpunkt: 120.605,06 Euro aus dem „Plan zur Förderung der landwirtschaftlichen Beschäftigung“ (PFEA). Drei Monate und 31 Arbeitskräfte später soll alles wieder „komfortabel, funktional und sicher“ sein, wie es in der offiziellen Mitteilung heißt.
Eine Tribüne als Politikum
Die Botschaft der Rathaus-Spitze ist eindeutig: Seht her, wir hören zu und handeln. „Das Wohlergehen der Schülerschaft und des Lehrkörpers steht für unsere beiden Dezernate ganz oben auf der Agenda“, betonte Claros. Die notwendigen Arbeiten – das Abschleppen und Sanieren der Ranganlagen, die Reparatur von Bodenplatten, die unter Erdbewegungen gelitten hatten – seien ein direktes Resultat dieses „koordinierten Arbeitens“. Eine klassische Win-win-Situation also? Die Schule bekommt ihre dringend benötigten Infrastrukturreparaturen, die Politik ihr greifbares, fotogenes Ergebnis.
Doch hier beginnt das Problem. Warum muss die Erfüllung einer kommunalen Grundaufgabe – die Instandhaltung öffentlicher Bildungseinrichtungen – mit solch einem administrativen und publizistischen Aufwand zelebriert werden? Die Schilderung der Missstände liest sich wie eine Anklage gegen jahrelange Vernachlässigung: einsturzgefährdete Außenmauern, durch Wurzelwerk beschädigte Schulhöfe, verschobene Bodenplatten. Dass nun reagiert wird, ist nicht Ausweis besonderer Fürsorge, sondern schlicht überfällige Pflicht.
Der lange, lange Weg vom Mangel zur Meldung
Besonders aufschlussreich ist der Zeitstrahl dieser „Erfolgsgeschichte“. Wie der Bericht von Axarquía Plus zeigt, wurde bereits zuvor eine „Notfallmaßnahme“ am einsturzgefährdeten Außenmauerwerk durchgeführt. Die aktuellen Arbeiten sind also bereits das zweite Kapitel der Beseitigung gravierender Baumängel an derselben Einrichtung. Das spricht nicht für präventives Facility-Management, sondern für reaktives Krisenmanagement.
Gleichzeitig listet das Rathaus stolz weitere Projekte der laufenden Legislaturperiode auf: neue Klassenzimmer und Toiletten in der CEIP Axarquía, ein saniertes Schulhofplateau in der CEIP Andalucía, die Installation „eines Hundertschaft moderner Klimaanlagen“ in zahlreichen Schulen der Kommune. Alles lobenswert. Aber auch hier die gleiche Frage: Handelt es sich hier um visionäre Bildungspolitik oder um das mühsame Aufholen eines Investitionsstaus, der über Jahre oder gar Jahrzehnte angehäuft wurde?
Fazit: Mehr als ein Pressetermin nötig
Der Besuch in Vélez-Málaga wirft ein grelles Schlaglicht auf den Zustand vieler kommunaler Bildungsbauten. Die Arbeit der Handwerker ist notwendig und wichtig. Die politische Botschaft jedoch verfehlt ihr Ziel, wenn sie das Beheben von Missständen als Großtat verkauft. Wahre Fürsorge für „das Wohlergehen der Schülerschaft“ zeigte sich nicht in einer einzigen, gut budgetierten Baumaßnahme, sondern in einem nachhaltigen, langfristig finanzierten Instandhaltungsplan, der solche Pressetermine überflüssig macht.
Echte Priorität für Bildung beginnt nicht mit dem Foto auf der Baustelle, sondern mit dem Haushaltstitel, der solche Baustellen von vornherein verhindert. Bis dahin bleibt jede fertiggestellte Tribüne ein bittersüßer Erfolg – und ein Indiz für all das, was noch repariert werden muss.
Quelle: axarquiaplus.es