
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Inszenierte Transparenz in Vélez-Málaga
Es ist ein vertrautes Ritual: Alljährlich schickt die Universität Málaga ihre Sommerkurse auf Wanderschaft und bespielt die Provinz. In diesem Jahr fällt der Startschuss in Vélez-Málaga. Lokalpolitiker und Hochschulvertreter reichen sich die Hände, streuen Begriffe wie „Wissenstransfer“ und „Bürgernähe“. Doch hinter der akademischen Fassade steckt ein handfester politischer Coup.
Der Star des Tages: Parlamentssprecherin mit Parteibuch
Die erste, mit Spannung erwartete Veranstaltung bescherte dem Publikum keine unabhängige Wissenschaftlerin, sondern die parlamentarische Geschäftsführerin der konservativen Volkspartei (PP) im Madrider Kongress: Ester Muñoz. Ihr Thema: „Die parlamentarische Kontrolle: Wenn Fragen der Macht unbequem werden“. Man muss kein Zyniker sein, um die Ironie zu bemerken. Eine führende Vertreterin jener Partei, die in den letzten Jahren wegen Korruptionsskandalen und mangelnder Auskunftsbereitschaft in die Schlagzeilen geriet, doziert nun über Transparenz und Rechtsstaatlichkeit.
Muñoz lieferte, was man auf jeder CDU-Parteischulung hören kann: Grundsatzbekenntnisse zur Gewaltenteilung, der Appell an den „notwendigen Einsatz“ parlamentarischer Instrumente wie Anfragen und Untersuchungsausschüsse. Die Quintessenz ihrer Botschaft: Die demokratischen Institutionen funktionieren, solange man sich an die Spielregeln hält. Das klingt nach allgemeiner Sonntagsrede. Was dabei völlig unter den Tisch fällt, ist die Realität des politischen Kampfes: Wie oft blockiert die eigene Fraktion genau jene Untersuchungen, die sie in der Opposition noch gefordert hat?
Wie die Lokalzeitung AxarquiaPlus berichtet, war der Tenor vor Ort von Wohlwollen geprägt. Bürgermeister Jesús Lupiáñez (ebenfalls PP) schwärmte von „einem Hauch frischer Luft“ in Zeiten der Polarisierung. Das klingt eher nach Wahlkampfauftakt als nach akademischer Reflexion.
Ein Programm zwischen Philosophie und Mülltrennung
Abseits des politischen Schlagabtauschs bietet die Bildungswoche durchaus Gehaltvolles. Die Philosophin María Zambrano, die in Vélez-Málaga geboren wurde, steht traditionell im Zentrum. Ein Kurs unter der Leitung von Professorin Madeline Cámara Betancourt will zeigen, wie Zambranos Denken auch heute noch relevant ist – jenseits von Parteipolitik.
Daneben stehen handfeste Themen auf dem Programm: Ein Kurs zum urbanen Recycling, geleitet von Juan A. Conesa Bernal, fragt nach cleveren Modellen der Müllverwertung. Die Künstliche Intelligenz in der Medizin, Geopolitik und die Zukunft der Medien runden das Ganze ab. Hier zeigt sich, was die Universität eigentlich leisten könnte: Wissenschaft dorthin bringen, wo sie gebraucht wird – in die Kommunen.
Der große Bluff der politischen Bildung
Doch der Besuch von Ester Muñoz entlarvt das eigentliche Problem dieser Veranstaltungsreihe. Statt echter, unbequemer Debatten liefert man der Öffentlichkeit eine gut geschminkte Parteiveranstaltung. Hätten die Organisatoren der Universität Málaga wirklich Mut bewiesen, hätten sie Muñoz nicht allein aufs Podium gestellt, sondern Kontrahenten von links und rechts dazu geladen. Eine echte Diskussion über die Krise der parlamentarischen Demokratie – das wäre ein Sommerkurs gewesen, der seinen Namen verdient.
So bleibt es bei wohlfeilen Worten und einer Portion Selbstinszenierung. Die Bürger von Vélez-Málaga bekommen eine Lektion in politischer Etikette, aber keine Antwort auf die Frage, warum ihre Abgeordneten immer weniger rechenschaftspflichtig sind. Die einzige, die hier wirklich von dem Termin profitiert, ist Ester Muñoz. Und das ist der wahre Skandal der akademischen Transparenz.
Quelle: axarquiaplus.es