400.000 Euro für den Müll im Klo

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

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400.000 Euro für den Müll im Klo

von Sabine Keller

Die Rechnung für die Gedankenlosen

Vierhunderttausend Euro. Pro Jahr. Für nichts anderes als das Wegspülen von Dingen, die in kein Klo gehören. Das ist die Bilanz, die Axaragua, die öffentliche Wasser- und Abwassergesellschaft der Axarquía, jetzt vorgelegt hat. 400 Tonnen Feuchttücher, Tampons, Kondome, Essensreste – all das wird Jahr für Jahr aus den Rohren gefischt, weil es offenbar zu anstrengend ist, den Müll zwei Meter weiter in die richtige Tonne zu werfen. Wie der lokale Nachrichtendienst AxarquiaPlus berichtet, ist der operative Aufwand enorm: 4.000 Arbeitsstunden, unzählige Pumpenschäden, steigender Energieverbrauch.

Präsident Jorge Martín spart nicht mit deutlichen Worten: „Es ist völlig inakzeptabel, dass Menschen die Toilette als Müllschlucker benutzen.“ Recht hat er. Nur: Warum passiert es dann immer wieder? Weil die Industrie seit Jahren „spülbare“ Feuchttücher bewirbt, die sich in der Realität als Hartplastik in Tuchform entpuppen. Und weil Bequemlichkeit offenbar jede Vernunft überlagert.

Die falsche Verheißung der „Biodegradablen“

Besonders perfide ist der Hinweis des technischen Direktors Daniel Cívico auf jene Produkte, die sich selbst als „biologisch abbaubar“ oder „toilettengängig“ bezeichnen. „Die gehören genauso wenig in die Toilette“, stellt er klar. Denn selbst wenn ein Tuch irgendwann nach Jahrzehnten zerfällt – im Kanalisationssystem braucht es Sekunden, um sich mit Fett und anderen Ablagerungen zu Monsterklumpen zu verbinden. Die Folge: verstopfte Pumpen, überlaufende Schächte, am Ende verschmutztes Grundwasser oder gar das Meer. 100 Jahre braucht ein synthetisches Feuchttuch, um zu verrotten. Das ist kein hygienisches Accessoire, das ist ein Umweltgift im Kleinformat.

Axaragua greift nun zu einer altbekannten Maßnahme: Aufklärung. In Radio, Fernsehen und sozialen Medien wird für den Sommer die Kampagne „Las toallitas, a la papelera“ – Feuchttücher in den Mülleimer – gestartet. Die Gemeinden Rincón de la Victoria, Vélez-Málaga, Algarrobo, Torrox und Benamocarra sollen mit Papierkörben ausgestattet werden. Klingt gut, ist aber nur ein Pflaster. Denn das eigentliche Problem beginnt nicht im Bad, sondern im Supermarktregal.

Wer haftet für die 400.000 Euro?

Die Wasserbehörde zahlt, der Bürger zahlt – über die Gebühren. Und die Hersteller? Die dürfen weiter „spülbar“ auf die Packung drucken, ohne dass eine unabhängige Prüfung das bestätigt. In Großbritannien und Frankreich gibt es bereits Klagen und schärfere Regularien. In Spanien? Fehlanzeige. Der öffentliche Geldtopf wird Jahr für Jahr mit 400.000 Euro belastet, während die Konzerne ihre Werbeversprechen ungestraft absetzen können. Martín betont zu Recht: „Jeder Euro, der für die Beseitigung von Feuchttüchern ausgegeben wird, fehlt für die Instandhaltung der Infrastruktur.“ Das ist kein Naturgesetz – das ist politisches Versagen.

Die Lösung wäre einfach: ein gesetzliches Verbot irreführender Bezeichnungen, eine Pflicht zur echten Zersetzbarkeit und eine Kennzeichnung, die nicht lügt. Stattdessen setzt man auf die Einsicht der Bürger. Die aber haben gezeigt, dass sie ohne Druck nicht handeln. Solange es billiger und bequemer ist, das Tuch runterzuspülen, wird weitergemacht. 400.000 Euro sind dann der Preis der Gedankenlosigkeit – bezahlt von allen, die ihren Müll korrekt entsorgen.


Quelle: axarquiaplus.es