Schlagabtausch zwischen Sánchez und Feijóo im Kongress

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Schlagabtausch zwischen Sánchez und Feijóo im Kongress

von Clara Weber

Scharfe Vorwürfe in der Parlamentsdebatte

Die politische Atmosphäre in Spanien bleibt angespannt. Während der ehemalige Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero an diesem Mittwoch vor der Audiencia Nacional zu den Vorgängen um die Fluggesellschaft Plus Ultra aussagte, lieferten sich sein Nachfolger Pedro Sánchez und der konservative Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo im Kongress einen verbalen Schlagabtausch mit harten persönlichen Angriffen.

Feijóo attackierte die sozialistische Regierung mit einer Liste von Korruptionsvorwürfen, die verschiedene ihrer Mitglieder und verbundene Personen betreffen sollen. In einer gezielten Provokation griff er eine bekannte Phrase von Sánchez auf und sagte: "Wenn ich eine schlechte Person wäre, würde ich Ihnen nur eines sagen: Ánimo, Pedro." Darüber hinaus warf er dem Regierungschef vor, das Parlament "am Maul zu packen" – eine Anspielung auf die Entscheidung des mehrheitlich von PSOE und Sumar kontrollierten Kongress-Präsidiums, Anträge der PP und von Junts für eine vorgezogene Wahl zu blockieren. "Sie haben nicht das Recht, das Parlament zu knebeln, Sie sind kein Demokrat", so der Vorwurf des PP-Chefs.

Die Antwort der Regierung: Moral und "Torquemada"

Pedro Sánchez konterte scharf und stellte die moralische Glaubwürdigkeit seines Kontrahenten in Frage. Angesichts der von Feijóo erhobenen Vorwürfe zeigte sich der Ministerpräsident überrascht von dessen "moralischer Warte". Er verwies dabei auf die Korruptionsaffäre um die Madrider Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso und die Parteizentrale der PP, die, wie Sánchez anspielte, teilweise "in B" finanziert worden sei – ein Verweis auf illegale Parteifinanzierung. In seiner schärfsten Replik verglich Sánchez den Oppositionsführer mit einem "Torquemada des Lebens", einer historischen Figur, die für die Inquisition und religiöse Unterdrückung steht.

Streitpunkt Parlamentsarbeit und neues Dekret

Neben der Korruption war auch die Nutzung des Parlaments ein zentraler Streitpunkt. Sánchez warf der Volkspartei vor, durch systematisches Blockieren aller Regierungsvorlagen die parlamentarische Arbeit selbst zu "degenerieren". In diesem Zusammenhang kündigte er eine konkrete Maßnahme an: Das Kabinett werde am Montag, dem 29. Juni, ein Dekret zum Schutz des produktiven Gewebes der Wirtschaft verabschieden. Dies geschehe vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten und der Feuerpausen zwischen den USA und Iran, wie aus Regierungskreisen zu erfahren war. Die Sitzung wird vorgezogen, um ein Auslaufen bisheriger Anti-Krisen-Maßnahmen zu verhindern. Sánchez forderte Feijóo auf, zur "Würdigung der Politik" beizutragen, indem er "Lösungen, Vorschläge" liefere und diesem Dekret zustimme.

Wahltermin und Zukunftsfrage

Auf die Forderung nach vorgezogenen Wahlen ging Sánchez nicht ein. Er bekräftigte, dass die nächsten landesweiten Wahlen wie vorgesehen 2027 stattfinden werden. Die entscheidende Frage sei laut dem Regierungschef nicht der Wahlzeitpunkt, sondern der Zustand des Landes: "Die Frage ist, welches Land sich 2027 im Vergleich zu 2018 präsentieren wird, ob es ein besseres oder schlechteres Land ist. Und es ist unbestreitbar ein besseres Land in Bezug auf Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und Gleichheit."

Die heftige Debatte spiegelt die tiefe politische Spaltung in Spanien wider, die sich an Themen wie institutioneller Kontrolle, Transparenz und dem Umgang mit Vergangenem entzündet.


Quelle: 20minutos.es