Sanchez' Mann tritt ab: Ein Symbol der Ohnmacht

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Sanchez' Mann tritt ab: Ein Symbol der Ohnmacht

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Rücktritt mit Ansage

Es ist der vorläufige Schlusspunkt einer Serie von Demütigungen: Francisco Martín Aguirre, seit März 2023 Delegierter der Zentralregierung in Madrid, hat seinen Stuhl geräumt. Die offizielle Begründung? Er wurde vom PSOE nicht für die vorgezogenen Parlamentswahlen im November nominiert. Doch wer glaubt, es gehe hier nur um eine enttäuschte Karriere, verkennt die Lage. Dieser Rücktritt ist das Eingeständnis einer Bankrotterklärung – nicht nur seiner eigenen, sondern der gesamten Strategie von Pedro Sánchez im Herzen der Hauptstadt.

Die Schlacht um die Puerta del Sol

Martín war nie ein einfacher Verwaltungsbeamter. Er war die Speerspitze der Zentralregierung gegen das konservative Bollwerk der Comunidad de Madrid unter Isabel Díaz Ayuso. Sein Rücktritt kommt inmitten der wochenlangen Protestcamps in der Puerta del Sol, wo Tausende gegen die Wohnungsnot demonstrieren. Während Ayuso und die Stadtverwaltung mit Blick auf die Sicherheit lautstark die Räumung des Platzes forderten, versuchte Martín, die Balance zu halten. Er berief sich auf das Grundrecht der Versammlungsfreiheit – und wurde dafür von der Opposition als Zögling des "sanchismo" beschimpft. Eine undankbare Rolle: zu lasch für die Konservativen, zu zögerlich für die radikalen Mieterbewegungen.

Unter Beschuss der eigenen Polizei

Der Sargnagel aber war die Affäre um die Polizeigewalt. Nach den umstrittenen Polizeieinsätzen bei den Bildungsprotesten Mitte Oktober, bei denen es Verletzte gab, tat Martín das aus Sicht des Establishments Undenkbare: Er forderte eine "dringende Untersuchung" der Vorgehensweise der Beamten. Die Reaktion der Polizeigewerkschaften war vernichtend. Man warf ihm vor, die Beamten für parteipolitische Zwecke zu instrumentalisieren und ihre Professionalität in Frage zu stellen. Martín fand sich damit in der unmöglichen Position wieder, zwischen der Verteidigung des Demonstrationsrechts und der Loyalität gegenüber den Sicherheitskräften zerrieben zu werden. Ein Drahtseilakt ohne Netz, der nun sein Ende fand.

Die Chronik eines angekündigten Scheiterns

Seine Amtszeit glich einem einzigen Fettnäpfchen-Parcours. Bereits 2023 sorgte seine Aussage über EH Bildu für einen Eklat, als er behauptete, die baskische Partei habe mehr für Spanien getan als "alle Patrioteros mit Armbändchen". Die Entschuldigung kam prompt, die Feindschaft mit dem PP war jedoch zementiert.

Doch es kam noch dicker: Die Ermittlungen gegen ihn im Zusammenhang mit der Ehefrau des Regierungschefs, Begoña Gómez, die zwar letztlich eingestellt wurden, hinterließen tiefe Narben. Die Causa um die Unterbringung von Migranten in der Kaserne Primo de Rivera eskalierte ebenfalls zum Dauerstreit mit der Regionalregierung. Martín wurde zum Symbol eines permanenten Konflikts, der längst nicht mehr um Sachpolitik ging, sondern um Prinzipien – und um die Frage, wem Madrid gehört. Sein Abgang ist daher keine Lösung, sondern nur die logische Konsequenz eines politischen Stellungskrieges, der weitergehen wird. Die Frage ist nur: Wer traut sich als Nächstes in diese Höhle des Löwen?

Mit Informationen von Europa Press


Quelle: europapress.es

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