Legendäres Studentenwohnheim kämpft um Wiedereröffnung

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Legendäres Studentenwohnheim kämpft um Wiedereröffnung

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Stück Madrider Kulturgeschichte

Das Colegio Mayor San Juan Evangelista, in der Hauptstadt liebevoll "El Johnny" genannt, war über Jahrzehnte weit mehr als nur eine Studentenunterkunft. Seit seiner Eröffnung 1966 im Herzen der Ciudad Universitaria entwickelte sich das Haus zu einer der wichtigsten kulturellen und intellektuellen Adressen Madrids. Nun wendet sich die verantwortliche Fundación San Juan Evangelista (FSJE) mit einem dringenden Appell an Regierungschef Pedro Sánchez.

Die Stiftung zeigt sich in einem Schreiben an den Premierminister enttäuscht darüber, dass das traditionsreiche Wohnheim im kürzlich vom Ministerrat verabschiedeten Hilfspaket für universitäre Wohnunterkünfte keine Berücksichtigung gefunden hat. Zwar würdigt die FSJE das Paket grundsätzlich als wichtiges Zeichen dafür, dass die Regierung den ernsten Wohnungsnotstand von Studierenden erkannt hat – doch genau dieser Umstand macht das Fehlen des "Johnny" für die Stiftung umso schmerzlicher.

Zwölf Jahre Stillstand

Seit der Schließung im Jahr 2014, als gescheiterte Verhandlungen zwischen dem damaligen Betreiber Unicaja und der Complutense-Universität als Eigentümerin des Geländes rund 200 Studierende ohne Unterkunft zurückließen, steht das Gebäude leer. Die folgenden Jahre waren geprägt von Besetzungen, fortschreitendem Verfall und einem geplatzten Rehabilitierungsprojekt, das 2018 angekündigt worden war.

In ihrem Kommuniqué betont die Fundación, dass in dieser Zeit Tausende Studierende die Chance auf ein würdiges und bezahlbares Wohnen in einem traditionsreichen Colegio Mayor verpasst haben. Zwar habe man über die Jahre hinweg Unterstützung und Verständnis von Stadt, Region und Zentralregierung erfahren – doch konkrete finanzielle Hilfen oder Lösungen seien ausgeblieben.

Ein Ort von historischer Bedeutung

Wie die Organisation weiter ausführt, beruft man sich nun ausdrücklich auf den Geist des neuen Wohnhilfepakets und fordert eine "konkrete, schnelle und effiziente Lösung", die eine baldige Renovierung und Wiedereröffnung ermöglicht. Die Dringlichkeit ist nicht nur wohnungspolitischer Natur – "El Johnny" ist auch ein Stück spanische Kulturgeschichte.

Der wohl bekannteste Moment in der Geschichte des Hauses ereignete sich am 25. Januar 1992: Flamenco-Legende Camarón de la Isla gab dort sein letztes Konzert, nur sechs Monate vor seinem Tod. Der Auftritt im Colegio Mayor gilt bis heute als legendär. Auch unzählige Debatten, Theateraufführungen und Konzerte prägten das Haus zu einer Zeit, als Madrids intellektuelle Szene hier ihren Nabel hatte.

Wie die FSJE betont, könnte die Wiedereröffnung nicht nur Wohnraum schaffen, sondern auch einen kulturellen Leuchtturm der spanischen Hauptstadt wiederbeleben. Die Entscheidung liegt nun bei der Regierung in Madrid. (Europa Press)


Quelle: europapress.es

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