Spaniens Parlament gedenkt Franco-Opfern

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Spaniens Parlament gedenkt Franco-Opfern

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Haus räumt auf

Am kommenden Mittwoch wird im spanischen Abgeordnetenhaus ein besonderes Zeichen gesetzt. Zum Gedenktag für die Opfer des Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur findet eine feierliche Veranstaltung statt – und diesmal unter veränderten Vorzeichen: Die Gemälde der Parlamentspräsidenten aus der Franco-Ära wurden abgehängt.

Parlamentspräsidentin Francina Armengol (PSOE) wird die Zeremonie im „Salón de Pasos Perdidos“ leiten. Auf ihre Rede folgt ein Gespräch zwischen den Historikerinnen María Rosón Villena und Sescún Marías Cadenas. Im Mittelpunkt des Gedenkens steht ein besonders grausames Kapitel der Repression: die sogenannten „Geschorenen“ von Fuendejalón in der Provinz Saragossa.

Geschorene Frauen als Mahnmal

Im Oktober 1937 wurden in dem kleinen Ort 39 Frauen aus ihren Häusern geholt, ihre Köpfe kahlgeschoren und sie zur Demütigung durch die Straßen geführt – ein gängiges Ritual der Franco-Anhänger, um Frauen für ihre politische Gesinnung oder ihre familiären Verbindungen zu bestrafen. Ebenfalls geehrt wird María Domínguez, die republikanische Bürgermeisterin des Ortes, die von Francos Truppen erschossen wurde. Den Abschluss bildet das Puppentheaterstück „Melón pelado“ von Esther Fernández Carrodeguas unter der Regie von Xavier Castiñeira.

Alte Forderung, neue Wirklichkeit

Die Besonderheit dieses Jahres: Der Akt findet statt, während die Galerie mit den Porträts der Franco-Präsidenten leer ist. Drei Gemälde wurden entfernt – jene von Esteban de Bilbao y Eguía (Amtszeit 1943–1965), Antonio Iturmendi Bañales (1965–1969) und Alejandro Rodríguez de Valcárcel y Nebreda (1969–1975). Eine Ausnahme bildet Torcuato Fernández Miranda, der an der Auflösung der Franko-Körperschaften und der demokratischen Reform beteiligt war.

Wie das Nachrichtenportal Europa Press berichtet, geht diese Entscheidung auf eine Abstimmung in der Parlamentsführung vom 13. Oktober zurück, bei der PSOE und Sumar zustimmten, die Volkspartei sich enthielt.

Ein jahrzehntelanger Kampf

Die Forderung nach der Entfernung dieser Bilder ist nicht neu. Bereits in den 1990er-Jahren verlangte der PNV-Abgeordnete Iñaki Anasagasti deren Abnahme. Auch Bildu und linke Parteien pochten regelmäßig darauf. 2023 scheiterte ein entsprechender Vorstoß noch – PSOE, PP und Vox argumentierten damals, die Bildergalerie sei kein öffentlicher Raum und die betreffenden Personen fielen nicht unter das Erinnerungsgesetz.

Zuletzt hatte die Vereinigung zur Wiederherstellung des historischen Gedächtnisses (ARMH) bei Armengol interveniert und sogar rechtliche Schritte angedroht. Die Unterstützung kam diesmal von Esther Gil de Reboleño, Vertreterin von Sumar im Ständigen Ausschuss.

Mit der Abnahme der Bilder gilt das Parlament nun als frei von Franko-Symbolen. Zugleich wird Platz geschaffen für künftige Porträts demokratisch gewählter Präsidenten – darunter jene von Meritxell Batet und Francina Armengol selbst.


Quelle: europapress.es

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