Renfes Website bleibt Baustelle vor Rekordsaison

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Renfes Website bleibt Baustelle vor Rekordsaison

von Clara Weber

Während die Nachfrage nach Zugtickets in die Sommerferien steigt, kämpft Spaniens staatliche Eisenbahngesellschaft Renfe mit einer digitalen Altlast. Die seit Jahren kritisierte Website soll eigentlich längst modernisiert sein, doch der Start des neuen Verkaufskanals steht weiter aus – mitten in der wichtigsten Buchungsphase des Jahres.

Ein Neustart ohne Deadline

Bereits im Mai 2025 prognostizierte Renfes Präsident, Álvaro Fernández Heredia, dass die neue Website „gegen Mitte 2026“ fertig sein würde. Wie aus Unternehmenskreisen verlautet, wurde jedoch nie ein offizielles Fertigstellungsdatum für das Projekt fixiert. Aktuell vermeidet das Unternehmen eine neue zeitliche Prognose. Stattdessen wird von einem „globalen Transformationsplan“ gesprochen, bei dem Meilensteine im Laufe des Jahres kommuniziert werden sollen. Das Ziel: eine intuitivere, schnellere Plattform, die die zersplitterten Systeme der Vergangenheit ablöst.

Die Renovierung sei „graduell“ und „progressiv“, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Einzelne Teile, wie die Trennung des Kunden- vom Corporate-Bereich, seien bereits implementiert. Der Kern, ein vereinheitlichter und effizienterer Buchungsvorgang für Web, App und Schalter, liege jedoch noch in der Zukunft.

Minister kritisierte öffentlich die Leistung

Die anhaltenden Probleme sind kein Geheimnis. Selbst der spanische Verkehrsminister Óscar Puente zeigte sich ungehalten. In einer Debatte im Dezember 2024 bezeichnete er die Note 4,8, die Renfe in einem europäischen Vergleich für ihre Web-Dienstleistungen erhielt, als „noch großzügig“. Obwohl die Bahngesellschaft im Gesamtranking den siebten Platz belegte, zog gerade die Performance der Website die Bewertung nach unten.

Pünktlich zu Sonderaktionen oder nach umstrittenen Änderungen – wie der kurzlebigen Umbenennung der „Puntos Renfe“ in „Renfecitos“ im Juni vergangenen Jahres – komme es regelmäßig zu Abstürzen oder virtuellen Warteschlangen.

Langwieriger Prozess im Vergleich

Im Oktober 2024 hatte Renfe einen Modernisierungsauftrag im Wert von 78,6 Millionen Euro an die Tech-Firmen Accenture und Evolutio Cloud Enable vergeben. Fast zwei Jahre später betont das Unternehmen, das Projekt verlaufe planmäßig. Auf die Frage, ob die lange Dauer ungewöhnlich sei, verweist Renfe auf den Umfang des Vorhabens: „Ähnliche Unternehmen investierten die doppelte Zeit für ein Projekt vergleichbaren Ausmaßes.“

Für die Millionen monatlicher Nutzer bedeutet das vorerst: Sie müssen sich in der Hochsaison weiter mit einer als umständlich empfundenen Buchungsplattform arrangieren, während im Hintergrund an der Lösung gearbeitet wird.


Quelle: 20minutos.es