Renfe kritisiert Madrider Abo-Regelung als diskriminierend

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Renfe kritisiert Madrider Abo-Regelung als diskriminierend

von Jonas Beck

Bahnbetreiber erhebt schwere Vorwürfe gegen Regionalregierung

Der spanische Eisenbahnbetreiber Renfe hat die Entscheidung der Regionalregierung von Madrid scharf kritisiert, den Bezug der vergünstigten Verkehrsnetzkarte künftig nur noch an Personen mit offiziellem Wohnsitz in der Region zu binden. In einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme bewertet das Unternehmen die Maßnahme als "diskriminierend". Sie führe zu "ungerechtfertigten Ungleichheiten" beim Zugang zum öffentlichen Nahverkehr, wie aus dem Kommuniqué hervorgeht.

Renfe, das für den Betrieb der Cercanías-Vorortzüge in der Hauptstadtregion verantwortlich ist, wirft der Madrider Verwaltung vor, die Entscheidung weder informiert noch konsensual getroffen zu haben. Das Unternehmen forderte eine "dringende" Einberufung der Überwachungskommission des Regionalen Verkehrsverbunds, um die Konsequenzen zu erörtern.

Mangelnde Abstimmung und soziale Folgen im Fokus

Laut Renfe fand keine vorherige Konsultation oder Information statt. "Die Maßnahme wurde nicht abgestimmt", hält das Unternehmen fest. Diese Vorgehensweise stehe im Widerspruch zu den Prinzipien der Gleichbehandlung und sozialen Kohäsion, die einem öffentlichen Dienst zugrunde liegen sollten. Die Politik, so Renfe weiter, müsse sich stattdessen auf ein klares Ziel konzentrieren: die Reduzierung des Autoverkehrs und die Förderung des öffentlichen Transports – ohne Diskriminierung aufgrund des Meldeortes.

Die Kritik folgt auf die Ankündigung der Madrider Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso vom vergangenen Wochenende. Sie hatte zugesagt, Abkommen mit anderen autonomen Gemeinschaften zu fördern, um deren in Madrid studierenden Bürgern den Zugang zu ermöglichen. Von der Regelung ausgeschlossen bleiben damit jedoch vorerst Pendler aus anderen Regionen sowie Personen ohne geregelten Aufenthaltsstatus. Für letztere diente die Transportkarte bisher oft als Nachweis ihres Lebensmittelpunkts in Madrid, was für laufende Regularisierungsverfahren relevant sein kann.

Renfe bietet eigene, meldeunabhängige Alternativen an

Als direkte Reaktion auf die neue Regelung weist Renfe auf bestehende, alternative Fahrausweise hin, die keinen Nachweis des Wohnsitzes erfordern. Dies betrifft zwei spezifische Angebote für das Cercanías-Netz.

Zum einen existiert ein monatliches Renfe-Abo für 20 Euro (10 Euro für Jugendliche), das unbegrenzte Fahrten in allen Cercanías-Kernnetzen in Spanien ermöglicht. Zum anderen gibt es den "Bonotren", ein Zehn-Fahrten-Ticket, das für ein konkret ausgewähltes Kernnetz – beispielsweise Madrid – und bestimmte Zonen gilt.

Diese Tickets stehen somit allen Nutzern zur Verfügung, unabhängig von ihrem amtlichen Wohnsitz. Renfe stellt damit faktisch ein paralleles, inklusiveres Angebot zum nun beschränkten regionalen Verbundabo bereit.

Die Entwicklung zeigt einen klaren Konflikt zwischen der verkehrspolitischen Zielsetzung der Regionalregierung und den grundlegenden betrieblichen sowie sozialen Prinzipien des größten Bahnbetreibers im Madrider Nahverkehr. Die geforderte Dringlichkeitssitzung wird zeigen, ob ein Kompromiss gefunden werden kann.

Quelle: Eigene Recherche basierend auf der offiziellen Pressemitteilung von Renfe vom 20. Mai 2024.


Quelle: 20minutos.es