Pujol Ferrusola verteidigt Zahlungen als Lobby-Dienstleistung

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Madrid

Pujol Ferrusola verteidigt Zahlungen als Lobby-Dienstleistung

von Redaktion

Aussagen vor Gericht: Insiderwissen als Geschäftsmodell

Im Prozess gegen die Familie des ehemaligen katalanischen Ministerpräsidenten Jordi Pujol i Soley wegen mutmaßlicher illegaler Bereicherung hat der Erstgeborene, Jordi Pujol Ferrusola, seine Rolle am Montag vor der Audiencia Nacional in Madrid erläutert. Wie von der Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, verteidigte der Angeklagte hohe Geldsummen, die er von Unternehmen erhalten hatte, als rechtmäßige Gegenleistung für Beratungsdienste. Diese seien darin bestanden, "Informationen privilegierter Art in einem Moment weiterzugeben, in dem man sie noch nicht hat" und Lobbyarbeit zu leisten. Der Antikorruptionsstaatsanwalt Fernando Bermejo bezweifelt diese Darstellung und hält die Zahlungen für illegale Provisionen zur Beeinflussung öffentlicher Ausschreibungen. Für Pujol Ferrusola beantragt er 29 Jahre Haft.

Die umstrittene Familienvermögensverwaltung

Ein zentraler Punkt der Vernehmung war der Ursprung und die Verwaltung des beträchtlichen Familienvermögens in Andorra. Pujol Ferrusola führte die Herkunft auf ein Erbe seines Großvaters Florenci zurück. Sein Vater, Jordi Pujol i Soley, habe die Familie erst im September 1980 darüber informiert, wobei bewusst auf konkrete Summen, Herkunft oder Banken verzichtet worden sei. Der Grund sei das Misstrauen des Großvaters gegenüber der politischen Lage in Spanien und der politischen Tätigkeit seines Sohnes gewesen.

Die Verwaltung des Vermögens, das laut Aussage aus 110 Millionen Peseten in US-Dollar und Titeln im Wert von 390 Millionen Peseten bestand, übernahm zunächst ein Freund des Großvaters, später sein Onkel Joaquim Pujol. Ab 1990 sei die Verantwortung auf ihn übergegangen, was er nicht als Absprache, sondern als "Befehl" beschrieb. Er bestritt, dass die spätere Offenlegung des Andorra-Vermögens im Jahr 2014 mit einer Anzeige seiner Ex-Partnerin Victoria Álvarez zusammenhing.

Geschäftspraktiken und Millionen-Deals unter der Lupe

Die Staatsanwaltschaft konfrontierte den Angeklagten mit konkreten Geschäftsvorgängen, bei denen unverhältnismäßig hohe Gewinne erzielt wurden. So räumte Pujol Ferrusola ein, gemeinsam mit einem Partner 50 Prozent der Firma Gestió i Recuperació de Residus für 5.000 Euro erworben zu haben. Der spätere Verkaufserlös von über 5 Millionen Euro sei auf das "Risiko" zurückzuführen, das mit der Erlangung der Genehmigungen für die Deponie Tivissa in Tarragona verbunden gewesen sei.

Weitere Fragen betrafen eine Beteiligung an einem argentinischen Hafenterminal, aus der er sich wegen befürchteter unseriöser Geschäftspraktiken zurückgezogen habe, sowie Geldtransfers an einen Londoner Broker, die er mit gemeinsamen Kunden begründete. Zu seinen Beziehungen zu den Unternehmern Carles Sumarroca und dem verstorbenen Carles Vilarrubí machte er teils ausweichende oder persönlich gefärbte Angaben.

Persönliche Verflechtungen und Schlussplädoyer

Auch private Verhältnisse wurden thematisiert. Den Kauf von Aktien von seiner Ex-Frau zu einem nominalen Preis begründete er damit, dass sie stets die geschäftlichen und steuerlichen Angelegenheiten geführt habe. In seinem abschließenden Statement vor Gericht blieb Pujol Ferrusola bei seiner Linie: "Was ich getan habe, ist richtig getan, und ich bin überzeugt, dass es richtig getan ist." Diese Überzeugung steht im diametralen Gegensatz zur Anklage, die in den geschilderten Vorgängen ein systematisches Korruptionssystem sieht. Das Urteil des Gerichts wird mit Spannung erwartet.

Quelle: Gerichtsberichte der Audiencia Nacional, Madrid; Meldung der Nachrichtenagentur Europa Press.