
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Psychothriller „Sender“ feiert Balearen-Premiere
Am Montag hat das Evolution Mallorca International Film Festival (Emiff) den US-amerikanischen Regisseur und Drehbuchautor Russell Goldman im Hotel Portixol begrüßt. Dort stellte er sein Debütwerk „Sender“ den Medien vor. Der Film läuft im Wettbewerb der Erstlingswerke der 15. Ausgabe des Festivals und ist am Dienstag im Kino CineCiutat zu sehen.
Eine Geschichte über Paranoia und Vergangenheit
Im Zentrum des Psychothrillers steht Julia, gespielt von Britt Lower. Nachdem sie ihre Alkoholsucht überwunden hat, versucht sie, ihr Leben neu zu ordnen – doch dann flattern ihr Pakete ins Haus, die sie nie bestellt hat. Der Inhalt: Gegenstände, die unheimlich mit ihrer Intimität und ihrer Vergangenheit verwoben sind. Auf der Suche nach dem anonymen Absender gerät Julia in eine Abwärtsspirale aus Paranoia, die die Grenzen zwischen Angst, Erinnerung und Realität verschwimmen lässt.
Wie das Festival mitteilte, hat Goldman die Geschichte aus seinem eigenen Kurzfilm „Return to Sender“ von 2022 entwickelt, den Jamie Lee Curtis produzierte. Dieses Frühwerk tourte durch zahlreiche internationale Festivals. Das Drehbuch zu „Return to Sender“ schaffte es sogar auf die Black List 2023 – eine jährliche Zusammenstellung der besten unproduzierten Drehbücher Hollywoods. Die Langfassung erlaubte es Goldman, die psychologische Tiefe seiner Protagonistin und das Mysterium um die anonymen Pakete deutlich auszuweiten.
Unabhängige Produktion als kreativer Freiraum
Goldman betonte den komplett unabhängigen Charakter von „Sender“, gedreht in Kalifornien. Ein Erstlingswerk abseits der großen Studios zu realisieren, bringe besondere Herausforderungen mit sich. Seiner Ansicht nach war „Sender“ ein Projekt mit einer „sehr definierten“ Persönlichkeit, das nach eigenen Lösungen verlangte und sich nicht in die Abläufe einer konventionellen Produktion pressen ließ. Diese künstlerische Freiheit sieht der Regisseur als entscheidend an, um den ursprünglichen Geist der Geschichte zu bewahren.
Für Goldman ist die Zusammenarbeit mit den richtigen Leuten in jeder Phase des Filmemachens zentral. Das Casting sei weit mehr als die bloße Auswahl von Schauspielern – es sei eine Methode, den Film Stück für Stück zu formen, die auch für alle anderen Gewerke gelte. Er setzt auf eine Arbeitsweise, die von Zuhören und Kooperation geprägt ist. „Wenn die Idee gut ist, ist es egal, woher sie kommt“, so Goldman.
Lob für das Ensemble
Ein Beispiel ist für ihn die Zusammenarbeit mit David Dastmalchian. Goldman beschreibt den Schauspieler als jemanden, der auf der Leinwand eine „große Unruhe“ vermitteln kann, im Alltag aber „besonders sensibel, freundlich und großzügig“ sei. Dastmalchian habe sich gefragt, wie er die Protagonistin von seiner Nebenrolle aus unterstützen könne. Diese Haltung zeige, dass eine gute Performance auch dadurch entsteht, dass man auf die Kollegen und die Bedürfnisse jeder Szene achtet.
Neben Britt Lower sind Rhea Seehorn, David Dastmalchian und Jamie Lee Curtis in weiteren Rollen zu sehen. Curtis fungiert zudem als Produzentin. Nach seiner Weltpremiere in Austin sammelte „Sender“ weitere Preise ein: den Jury-Preis für den besten Spielfilm in Alabama beim Sidewalk Film Festival und die Auszeichnung für den besten Debütfilm beim Chattanooga Film Festival in Tennessee.
Branchentalk zu Dreharbeiten auf den Inseln
Im Rahmen des Festivals fand am Montag außerdem die Gesprächsrunde „Rodar en Baleares“ im Estudi General Lul·lià statt. Moderiert von Festivalgründerin Sandra Lipski, diskutierten Pilar Amer von Palma Pictures, Diana de la Cuadra vom Institut de la Indústria Cultural de les Illes Balears (ICIB) und Produzent Frank Rodríguez über die Inseln als Drehort.
Der Austausch hob das Potenzial des Archipels für audiovisuelle Produktionen hervor. Diana de la Cuadra verwies auf die technische Qualität und Professionalität der lokalen Branche und nannte Palma Pictures als Beleg für die Leistungsfähigkeit der Inseln. Sie riet Filmschaffenden, sich bei der Baleares Film Commission zu registrieren, um Informationen zu Locations und Genehmigungen zu erhalten. Frank Rodríguez lobte die Sichtbarkeit, die das Festival der Sektion „Made in Baleares“ verleiht. Alle Beteiligten betonten den Wert lokaler Teams und die Notwendigkeit, bei Behördengängen für Dreharbeiten, insbesondere an Küstenorten, genügend Vorlaufzeit einzuplanen. Die Insellage bringe logistische Hürden mit sich, die es frühzeitig zu berücksichtigen gelte.
Quelle: europapress.es