MWC-Chef: Barcelona bleibt trotz hoher Kosten attraktiv

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Barcelona

MWC-Chef: Barcelona bleibt trotz hoher Kosten attraktiv

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Heimspiel mit Risiken

Der Chef der GSMA Ltd., John Hoffman, hat sich klar zum Standort Barcelona bekannt – doch sein Bekenntnis klingt weniger nach Jubel als nach einer Mahnung. Der Mobile World Congress (MWC) bleibe in der katalanischen Hauptstadt, „weil hier einfach alle hinkommen“. Ein Satz, der wie eine Kampfansage an konkurrierende Städte wirkt, aber bei genauerem Hinsehen vor allem eines ist: eine Warnung an die eigene Gastgeberstadt.

Geopolitik als Standortvorteil

Hoffman argumentiert mit einem Alleinstellungsmerkmal, das in Zeiten globaler Spannungen kaum zu unterschätzen ist. „Veranstalten wir den Kongress in den USA, bleiben die Chinesen fern. In China wiederum kämen keine Amerikaner“, sagt er in Interviews mit katalanischen Medien. Barcelona sei in dieser Hinsicht ein neutraler Boden, eine Art digitale Schweiz für die Telekommunikationsbranche. Das mag überspitzt klingen, doch der Logik dahinter kann man sich schwer entziehen: In einer fragmentierten Weltwirtschaft ist ein Ort, an dem sich die Kontrahenten begegnen können, Gold wert.

Doch genau dieser Schulterschluss mit Barcelona ist für Hoffman kein Freibrief. Er fordert von der Stadt ein Umdenken bei den Rahmenbedingungen. Die Kosten für Unternehmen seien mittlerweile „sehr hoch“ – und wenn der Preis für die Teilnahme den erwarteten Nutzen übersteige, würden sich die Konzerne eben woanders umschauen. Das ist keine leere Drohung, sondern die nüchterne Feststellung eines Managers, der den Return on Investment seiner Kunden im Blick haben muss.

Ein Puffer fürs Wachstum

Ein heikles Thema bleibt das neue Hall Zero, das wegen Bauverzögerungen erst 2028 in Betrieb gehen kann. Hoffman winkt ab – mehr Besucher seien nie das Ziel gewesen. Es gehe vielmehr um Raum für das gesamte Ökosystem. Der MWC sei in den vergangenen Jahren an seine Grenzen gestoßen, habe „in die Höhe wachsen“ müssen, mit doppelstöckigen Strukturen, die ihren Preis haben. Das neue Areal solle das Gelände logisch ordnen: hier die Start-ups des 4YFN, dort das neue Herzstück, dazwischen die etablierte Masse.

Tourismusmaßnahmen: Gelassenheit mit Haken

Was die geplante Abschaffung aller Ferienwohnungslizenzen bis 2028 angeht, gibt sich Hoffman gelassen. Die Stadt werde genug Kapazitäten für die Kongressteilnehmer bieten. Bei der geplanten Verdopplung der Touristenabgabe ab 2029 klingt seine Stimme dann aber doch etwas vorsichtiger. Er versteht die Notwendigkeit, zählt die Steuer jedoch zum Gesamtpaket aus Hotel, Flug und Eintritt – und dieses Paket dürfe eben nicht aus dem Ruder laufen.

Barcelona steht also vor einem klassischen Dilemma: Man will den wichtigsten Branchentreff der Welt halten, aber bitte nicht um jeden Preis. Hoffman hat die Latte hoch gelegt – nun ist es an der Stadt, zu beweisen, dass sie sie nicht reißen lässt.

Quelle: Informationen nach Europa Press, Interviews mit El Periódico, La Vanguardia und Ara


Quelle: europapress.es

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