Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Saharauis im Wartestand: Regierungsmehrheit für Nationalitätsgesetz
Politische Blockade bei Einbürgerung der Saharauis bricht auf
Eine parteiübergreifende Initiative im spanischen Parlament drängt auf eine Lösung für Tausende staatenlose Saharauis. Auslöser ist deren Ausschluss von einem Sonderregularisierungsverfahren für Migranten. Bei einem dringlichen Treffen des parlamentarischen Intergrupps zur Westsahara am Mittwoch im Kongress zeichnete sich dabei eine ungewöhnliche Mehrheitskonstellation ab.
Eine ungewöhnliche Allianz und bedeutende Abwesenheiten
Wie eine Sprecherin der linken Plattform Sumar gegenüber der Nachrichtenagentur Europa Press bestätigte, folgten Vertreter der konservativen Volkspartei (PP) sowie der meisten Regierungspartner der Einladung des Polisario-Vertreters. Anwesend waren Abgeordnete von Sumar (einschließlich IU und Más Madrid), ERC, Bildu, PNV, Podemos und dem BNG.
Drei Parteien blieben der Sitzung jedoch fern: neben der rechtspopulistischen Vox und der katalanischen Junts vor allem die regierende Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE). Diese Absenz wertete Abdulah Arabi, Delegierter der Frente Polisario für Spanien, als Teil der aktuellen Regierungspolitik in der Saharafrage. Zugleich begrüßte er die Präsenz der PP als Beleg für eine bestehende parlamentarische Mehrheit in dieser Angelegenheit.
Kernproblem: Rechtliche Grauzone und praktische Folgen
Der Konflikt entzündet sich an einem technischen, aber folgenschweren Detail. In früheren Entwürfen des königlichen Dekrets zur Migrationsregularisierung waren Staatenlose noch explizit erwähnt. Der Staatsrat riet in einer Stellungnahme jedoch, diesen spezifischen Verweis zu streichen – nicht, um Saharauis auszuschließen, sondern weil für sie ein separates Verfahren zum Erlangen des Staatenlosen-Status existiert.
Die praktischen Konsequenzen sind gravierend. Während ihr Antrag bearbeitet wird, der laut juristischen Quellen oft zwei bis drei Jahre dauert, haben Staatenlose im Gegensatz zu Asylsuchenden kein Recht zu arbeiten. Etwa 90 Prozent der Staatenlosen in Spanien sind Saharauis. „Es geht darum, dass sie die gleichen Rechte behalten, die das Regularisierungsverfahren beispielsweise Asylsuchenden gibt“, insistierte die Sumar-Sprecherin.
Druck auf die PSOE wächst – Mehrheit gilt als gesichert
Die anwesenden Parteien zeigten sich nach Angaben von Sumar „einstimmig“ darüber, die „Diskriminierung“ der Saharauis zu beenden. Als Weg dazu sieht die Initiative ein bereits vorliegendes Gesetz zur Verleihung der spanischen Staatsangehörigkeit an unter spanischer Verwaltung geborene Saharauis. Für dessen „Entblockung“ verwies Sumar auf eine rechnerische Mehrheit im Parlament, die auch ohne die PSOE auskomme.
Die Sprecherin von Más Madrid im Kongress, Tesh Sidi, forderte „Verantwortung“ von der PSOE ein und kritisierte, der Ausschluss der Saharauis folge „offensichtlich politischen Gründen“. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass den Sozialisten letztlich keine andere Wahl bleibe, da eine breite Mehrheit das Gesetz fordere und die PSOE selbst „ziemlich gute Änderungsanträge“ eingebracht habe.
Sidi verwies zudem auf die gesellschaftliche Dimension: Das Problem betreffe auch die rund 15.000 spanischen Familien, die jedes Jahr saharauische Kinder im Sommer aufnehmen und die bürokratischen Hürden miterlebten. Man arbeite daran, den Betroffenen „eine Botschaft der Hoffnung“ zu senden, dass die Ausgrenzung sie nicht aufhalten werde.
Der weitere Prozess wird zeigen, ob die geschilderte parlamentarische Mehrheit sich auch in einer formellen Abstimmung durchsetzen kann oder ob die Regierungspartei PSOE weiter auf Distanz bleibt.