
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Kronzeuge Aldama: Ein kriminelles System mit Sánchez an der Spitze
Die Hierarchie der "Bande"
Im Prozess um den sogenannten "Koldo-Fall" vor dem Obersten Gerichtshof hat der als Mittelsmann angeklagte Unternehmer Víctor de Aldama eine detaillierte Beschreibung der internen Struktur einer Gruppe vorgelegt, die er selbst als "organisierte kriminelle Bande" bezeichnet. Laut seiner Aussage, die von der Staatsanwaltschaft protokolliert wurde, war Pedro Sánchez, der Präsident der Regierung, der "Skalafon eins". Der damalige Transportminister José Luis Ábalos, von Aldama respektvoll als "der Chef" bezeichnet, rangierte auf Platz zwei. Ábalos' damaliger Berater Koldo García folgte auf Platz drei, Aldama selbst sah sich auf Platz vier.
"Alles wusste der Herr Präsident, wie es mir übermittelt wurde und wie er selbst es mir am Tag im Theater übermittelte", sagte Aldama in seiner Anhörung. Diese Aussage bezieht sich auf eine kurze persönliche Begegnung mit Sánchez, die Aldamas Darstellung den Kern seiner Behauptungen bildet.
Ein privates Treffen hinter der Bühne
Aldama schilderte ein Treffen im Jahr 2019 im Teatro de La Latina in Madrid, nach einem Wahlkampfevent des PSOE für Pepu Hernández. Koldo García hatte ihn, trotz Aldamas Zurückhaltung als Nicht-Parteimitglied, dazu gebracht. Nach dem Event führte García ihn durch zwei Hintertüren des Theaters in einen privaten Raum hinter der Bühne.
"Und dort war der Präsident mit einer Sicherheitsperson, die, als ich eintrat, hinausging", so Aldama. Der Präsident habe ihm gesagt: "Vielen Dank für alles, ich weiß genau, was ihr macht und ich wollte Ihnen einfach danken." Koldo García habe ein Foto und ein kurzes Video von dem Moment gemacht.
Die Nähe zwischen García und Sánchez war für Aldama ein entscheidender Punkt. Er fragte García später, warum er den Präsidenten einfach "Pedro" nannte. García antwortete laut Aldama: "Victor, am Tag, wenn der Präsident mir sagt, dass ich ihn Präsident nennen muss, bin ich nicht mehr in der Partei und gehe hier weg." García fügte hinzu: "Er [Sánchez] schuldet mir viel und er weiß, warum."
Druckmittel und persönliche Dienstleistungen
Aldamas Aussage weitete sich auf persönliche und finanzielle Arrangements aus, die den damaligen Minister Ábalos betreffen. Er berichtete, dass García ihn einmal in Mexiko aufgefordert habe, "für den Chef etwas zu organisieren, damit er sich entspannt". Nach Nachfrage erklärte García: "Man muss einige Damen finden und sie dem Chef präsentieren, okay?" Aldama sagte, er habe in einem Restaurant-type Ort mit Menschen in Mexiko gesprochen, Damen wurden gebracht und mit Ábalos vereinbart. "Das ist das erste Mal, dass Koldo mich um Damen fragt und das erste und einzige Mal, dass ich diese Damen bezahle", sagte Aldama.
Ein weiteres, langfristiges Arrangement betreffe die damalige Partnerin von Ábalos, Jéssica Rodríguez. García hatte Aldama, der Bargeldzahlungen reduzieren wollte, gesagt, sie könnten "dem Chef helfen", da er diese Frau kennen gelernt habe und eine Wohnung benötigte. Aldamas Unternehmen begann, die Wohnung zu bezahlen. Im September 2021 ordnete Aldama an, die Zahlungen zu stoppen.
Dies führte laut Aldama zu einem "sehr unangenehmen Ereignis". Koldo García und sein Bruder Joseba kamen zu Aldamas Büro in der Alfonso XII Straße in Madrid, um Druck zu machen. Sie drohten seinem Partner Alberto, "das Gesicht zu zerschlagen" und behaupteten, Jéssica Rodríguez habe ein kompromittierendes Video von Ábalos und "habe ihn bei den Eiern gepackt". Aldama konterte, dass García dann selbst mit zerschlagenem Gesicht herauskommen würde.
Die Rolle des Beraters und die Wahrnehmung der Macht
Aldama stellte die Autorität von Koldo García als direkt vom Präsidenten abgeleitet dar. "Wenn Koldo jemanden anrief, nahmen die Menschen das Telefon ab, sowohl Minister als auch Berater, nicht weil sie wissen, dass Ábalos hinter ihm stand, sondern weil sie wissen, dass er eine Person von Pedro Sánchez war", sagte er. García sei, laut Aldama, vom früheren PSOE-Organisationssekretär Santos Cerdán ins Transportministerium "platziert" worden, statt in die Moncloa.
"Ich habe Koldo immer gefragt, ob der Präsident dies wisse, und er hat mir gesagt, dass der Präsident alles, was wir machen, klar hatte und es wusste", schloss Aldama seine Aussage zu dieser Frage.
Die detaillierte Chronologie und die konkreten Behauptungen von Víctor de Aldama stellen eine direkte und schwerwiegende Belastung für mehrere hochrangige Mitglieder der damaligen Regierung dar. Seine Aussage wird nun im Rahmen des Verfahrens vom Obersten Gerichtshof bewertet.
Quelle: Aussage von Víctor de Aldama vor dem Obersten Gerichtshof, protokolliert durch die Staatsanwaltschaft, wie von Europa Press berichtet.