
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Koldo schweigt zu Maskenaffäre in Balearen
Vor Gericht ohne Aussage
Koldo García, der ehemalige Berater des Transportministeriums, hat sich vor dem Untersuchungsrichter der Audiencia Nacional, Ismael Moreno, auf sein Recht zur Aussageverweigering berufen. García wartet bereits auf das Urteil des Obersten Gerichts (Tribunal Supremo) im Hauptprozess um eine mutmaßliche korrupte Organisation, die während der Pandemie Kommissionen für Sanitätsmaterialkontrakte kassierte. Nun wird eine weitere Linie der Ermittlungen verfolgt, die speziell die Kontrakte auf den Balearen untersucht.
Verteidigung will Verfahren stoppen
Seine Anwältin, Leticia de la Hoz, versuchte laut Berichten von EL PERIÓDICO, die Aussage zu suspendieren und erreichte, dass der Richter die Sache dem Staatsanwalt übergab. Die Verteidigung argumentiert, dass die Kontrakte auf den Balearen und den Kanarischen Inseln bereits im Prozess vor dem Obersten Gericht behandelt und damit "cosa juzgada" – eine bereits entschiedene Sache – sind. Falls dieses Rechtsmittel abgelehnt wird, will García jedoch selbst zur Aussage erscheinen.
In der kurzen Anhörung am Donnerstag nutzte García das Wort lediglich, um die Rückgabe seiner Mobilgeräte zu verlangen. Mit, laut Quellen im Saal, etwas gebrochener Stimme, beklagte er auch die Veröffentlichung privater Nachrichten in Medien, die nichts mit dem Verfahren zu tun haben. García sitzt seit November 2025 in Untersuchungshaft in Soto del Real.
Neue Nachrichten mit Armengol im Zentrum
Der aktuelle Untersuchungsrichter handelt auf Basis eines neuen Berichts der Central Operative Unit (UCO) der Guardia Civil. Dieser Bericht legt neue Nachrichten zwischen Koldo García und Francina Armengol offen, damals Präsidentin der Balearen und heute Präsidentin des Kongresses. In einer Nachricht vom 15. Juni 2020 fragte Armengol García, ob er helfen könnte, Kontakt mit Minister José Luis Ábalos zu finden: "Necesito habla con el Ministro [...] Me puedes ayudar?". García antwortete, sie solle ihn anrufen. Die populäre Anklageorganisation HazteOír fordert nun, dass Armengol selbst vor dem Richter erklären sollte.
De la Hoz erklärte vor dem Gericht, dass die Aussagen der ehemaligen Präsidenten Armengol (Balearen) und Ángel Víctor Torres (Kanarische Inseln) bereits im Obersten Gericht verlesen wurden und die Kontrakte somit abgehandelt sind.
Geldflüsse und weitere Ermittlungslinien
Der UCO-Bericht stellt auch eine Verbindung zwischen den Sanitätskontrakten und den monatlichen 10.000 Euro in bar her, die der Unternehmer Víctor de Aldama laut Ermittlungen an Koldo García zahlte. Diese Geldflüsse hielten laut Guardia Civil sogar acht Monate nach der Entlassung von Ábalos und García aus dem Ministerium im Juli 2021 an. Die Zahlungen sollen Aldama Zugang zum Ex-Minister verschafft haben.
Richter Moreno untersucht im sogenannten 'Koldo-Caso' mehrere Stränge. Der Ursprung ist die mutmaßlich irregulare Kauf von Masken. Weitere Linien betreffen mögliche Manipulationen bei öffentlichen Bauprojekten und Barzahlungen der PSOE zwischen 2017 und 2024 für vorgeschossene Kosten – ein Verfahrensabschnitt, der noch unter Untersuchungsgeheimnis steht.
Quellen: Audiencia Nacional, Tribunal Supremo, Guardia Civil (UCO), EL PERIÓDICO.